Hautstück im Labor

AFP/JEAN-PHILIPPE KSIAZEK

Leib versus Körper

Ein Blick auf die Zukunft der menschlichen Natur.
Von Sabrina Adlbrecht

Die Frage nach der menschlichen Natur wurde besonders in Krisen- und Umbruchszeiten aufgeworfen. Mit den Fortschritten in den Biowissenschaften, die den Menschen zum Gegenstand planvoller Gestaltung machen, stellt sich die alte Frage für die philosophische Anthropologie mit größerer Relevanz als je zuvor: Ist es nicht gerade die menschliche Natur, die dem gegenwärtigen Trend der Machbarkeit entzogen werden muss? Und welche Grenze könnte jetzt, da die Perfektionierung des Menschen keine bloße Utopie mehr ist, zwischen "natürlich" und "künstlich" gezogen werden? Ist das überhaupt noch möglich? - Der Philosoph Gernot Böhme fordert ein neues Selbstverständnis des Menschen, eine Revision des ethischen Denkens. Er bezieht sich dabei auf den Dualismus von Leib und Körper.

Der Erste sei unsere Natur in "Selbstgegebenheit", also das, was wir selbst spüren. Der Zweite unsere Natur in "Fremdgegebenheit" - so wie ihn Wissenschaft und Schulmedizin sehen und behandeln. Sich in dieses Gegensatzpaar von Leib und Körper wieder einzufühlen, meint Böhme, habe weitreichende Konsequenzen für die medizinische Ethik. Denn "mündig" kann danach nur jener Patient sein, der leiblich mit sich vertraut ist.

Sendereihe

Gestaltung