Mosaik

ORF/JOHANNES KAUP

Christen in Jordanien

Mosaik der Hoffnung - Ein Lokalaugenschein in Madaba +++ Clash mit dem schiitischen Halbmond - Analyse eines innermuslimischen Konflikts +++ Papst Franziskus in Rumänien. - Moderation: Alexandra Mantler

1. Mosaik der Hoffnung - Ein Lokalaugenschein in Madaba

Die etwa 45 Kilometer südwestlich von Amman gelegene Stadt Madaba ist einer der wenigen Orte Jordaniens, die noch mehrheitlich christlich geprägt sind. Hier befindet sich die römisch-katholische Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht ist, der unweit von Madaba auf der Festung Machaerus von König Herodes enthauptet worden sein soll. Auf dem Fußboden der griechisch-orthodoxen St. Georgs-Kirche ist die Mosaikkarte von Madaba zu bestaunen.

Das Madaba-Mosaik ist die älteste im Original erhaltene kartografische Darstellung des sogenannten Heiligen Landes und stammt aus dem 6. Jahrhundert nach Christus. Diese Kunst des Mosaik-Legens ist seit der Spätantike in Madaba allgegenwärtig und hat sich bis heute gehalten. Auf dem Gelände der melkitischen Gemeinde wiederum, also rund um die griechisch-katholische Kirche, stehen mehrere Container, die zu Mosaik-Werkstätten umfunktioniert worden sind. Hier arbeiten Frauen und Männer, die vor Krieg und Verfolgung aus Syrien und dem Irak geflohen waren, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und ihren Familien eine hoffnungsvolle Zukunftsperspektive zu bieten.

Geleitet wird das Projekt von der Caritas Jordanien, die in Madaba auch ein für die gesamte Region wichtiges Sozialzentrum betreibt. Es ist eine Anlaufstelle für die vielen aus den benachbarten Konfliktregionen geflohenen Syrer, Iraker und Jemeniten, die hier medizinische Hilfe und andere Unterstützungsleistungen für ihre Familien erhalten. Denn - was kaum bekannt ist: Die wenigsten Flüchtlinge leben in Flüchtlingslagern wie Zataari, obwohl darüber mehrfach international berichtet wurde.

Die große Mehrheit der "neuen" Flüchtlinge - etwa 1,3 Millionen aus Syrien seit 2012 - lebt im Norden Jordaniens in den Vorstädten Ammans, Irbids und in den Dörfern in der Region Madaba. Die christliche Minderheit des Landes (2,5 Prozent der Bevölkerung) ist nicht nur in der Wirtschaft stark engagiert, sondern auch im Sozialbereich. Das betrifft neben der medizinischen Betreuung von Mittellosen auch den Bildungsbereich. Hier sind die christlichen Schulen, die übrigens mehrheitlich muslimische Kinder unterrichten, aufgrund des hohen Bildungsniveaus sehr angesehen.

Johannes Kaup hat bei seinem Lokalaugenschein in Madaba verschiedene Hilfsprojekte besucht und gibt - davon ausgehend - einen Einblick in die soziale und ökonomische Lage eines Landes, das inmitten von Konfliktregionen auf Ausgleich und Frieden bedacht ist. Ein Beitrag zum Ö1-Schwerpunkt NEBENAN: Jordanien.


2. Clash mit dem schiitischen Halbmond - Analyse eines innermuslimischen Konflikts

Es geht um Macht, um Öl, um Waffenexporte, um Islamismus, politischen Islam und innermuslimische Frontlinien. Etwa 1,7 Milliarden Menschen bekennen sich weltweit zum Islam. Rund 90 Prozent von ihnen sind Sunniten, die meisten anderen Schiiten. Der alte Konflikt zwischen diesen beiden Gruppierungen um die Nachfolge des Propheten Mohammed ist bis heute aktuell. In zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten spielt er eine zentrale Rolle.

Die Nahostexpertin Tyma Kraitt wurde in Bagdad geboren und hat in Wien Philosophie studiert. In ihrem neuen Buch "Sunniten gegen Schiiten. Zur Konstruktion eines Glaubenskrieges" analysiert sie die historischen Hintergründe des islamischen Schismas und thematisiert die sozioökonomischen Faktoren, die diesen alten Religionskonflikt aktuell wieder aufflammen lassen. Maria Harmer hat mit Tyma Kraitt gesprochen.


3. Papst Franziskus in Rumänien

Die dreitägige Rundreise von Franziskus durch Rumänien von 31. Mai bis 2. Juni brachte ein bemerkenswertes Schuldbekenntnis gegenüber der Volksgruppe der Roma und auch politisch bedeutsame geistliche Appelle für kulturelle Identität und solidarisches Miteinander - Beim Vaterunser der Orthodoxen habe er "auf Italienisch mitgebetet", bekundet der Papst beim Rückflug nach Rom. ORF-Rom-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder, die den Pontifex nach Rumänien begleitet hat, zieht Bilanz.

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Buch, Tyma Kraitt, "Sunitten gegen Schiiten. Zur Konstruktion eines Glaubenskrieges", Promedia-Verlag

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