Südtiroler Siedlung in Gröbming

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Das Erbe der Südtiroler Option

Zwischen Schweigen und Erinnern (1). Gestaltung: Anna Masoner

Am 23. Juni 1939 kam es in Berlin zu einer ungewöhnlichen Abmachung. Gerade zwei Stunden Verhandlungen hatte der illustre Tross deutscher und italienischer Politiker und Diplomaten gebraucht um eine Lösung des sogenannten Südtirolproblems zu finden. Die deutsche und ladinische Bevölkerung der nördlichsten Provinz Italiens sollte vor die Wahl gestellt werden: entweder ins Dritte Reich umzusiedeln oder als italienische Staatsbürger ohne Minderheitenschutz im Land zu bleiben.

Als "Option" sollte die daraus resultierenden Jahre der Abwanderung der Südtirolerinnen und Südtiroler in die Geschichtsbücher eingehen. Rund 200.000 stimmten für eine Umsiedlung ins Deutsche Reich, etwa 75.000 sollten schließlich gehen. Die Option hat schmerzhafte Spuren in der Lebensgeschichte vieler hinterlassen und das kollektive Bewusstsein der Südtiroler Gesellschaft nachhaltig geprägt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen "Dableibern" und "Optanten" totgeschwiegen, erst sehr viel später begannen Schriftsteller, Historiker und Politiker mit der Aufarbeitung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Welchen Stellenwert hat die Option 80 Jahre später für das Geschichts- und Selbstbild des Landes?

Service

Literatur und Links:

Eva Pfanzelter, Option und Gedächtnis. Erinnerungsorte der Südtiroler Umsiedlung 1939, Raetia, 2015

Günther Pallaver und Leopold Steurer (Hrsg.), Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol, Raetia, 2011

Sabine Gruber, Stillbach oder die Sehnsucht, C.H. Beck, 2011

Gerald Steinacher, Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen, Studienverlag, 2008

Claus Gatterer, Schöne Welt, böse Leut. Kindheit in Südtirol, Folio Verlag

Option und Erinnerung, Universität Innsbruck


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