Anhängerin des Mandäismus während einer Schöpfungsfeier im Irak

AP/HADI MIZBAN

Franz Winter über Weltentstehungs- und Schöpfungsmythen

"Entstehen und Erwachen". Franz Winter, Religionswissenschaftler an der Universität Graz, will einen Einblick in das Kunterbunt der verschiedenen Weltentstehungen liefern und spannt den Bogen dabei von den Schöpfungsmythen der monotheistischen Religionen bis hin zu asiatischen Weltentstehungsmythen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Die Sommersonnenwende, die mit dem Johannistag verbunden war, ist der Anlass, in dieser Woche sich mit verschiedenen Versionen der Entstehung der Welt in den Religionen auseinanderzusetzen. Heute sollen die Religionen Indiens, die sog. Hindu-Religionen im Mittelpunkt stehen.

Darin spielt interessanterweise die Frage, ob und wie die Welt entstanden ist, keine so große Rolle, weil man überzeugt ist von einer ewigen Wiederkehr, bzw. einer beständigen Abfolge von Entstehung und Zerstörung. So wie jeder einzelne Mensch eingespannt ist in einen Kreislauf der Wiedergeburten, so ist auch diese Welt eine in einer Reihe von sich immer wiederholenden Abfolgen. Am Ende eines jeweiligen Zyklus fällt dann der Kosmos einer finalen Zerstörung anheim. Und auf diese folgt dann wieder eine Neuschöpfung. In der Zwischenzeit ruht der zuständige Gott, bzw. er schläft, um nach einem sehr langen Schlaf wieder aufzuwachen.

Dazu wurden auch unterschiedliche mythologische Bilder gezeichnet. Sehr eindrücklich ist zum Beispiel das Bild vom Gott Visnu, der auf einer riesenhaften Schlange ruht, die im sogenannten Milchozean dahintreibt. Wenn diese Schlange sich ausrollt, wird der Schöpfungsakt in Gang gesetzt, und wenn sie sich wieder einrollt, dann hört das Universum auf zu existieren.

Beeindruckend sind dabei vor allem die behaupteten zeitlichen Rahmenbedingungen. Nach gängiger Hindutradition ist die Dauer eines solchen Zyklus von Entstehung und wieder Vergehen des Kosmos mit 4,32 Milliarden Jahren angegeben. Das Leben eines einzelnen Menschen erscheint darin unendlich klein und unbedeutend. Umgekehrt ist der Zeitrahmen für seine Anstrengungen, aus dem Kreislauf der Wiedergeburten auszubrechen, recht großzügig bemessen. Die Hindutraditionen lassen also dem Menschen genug Zeit für sein redliches Bemühen um Erlösung, auf jeden Fall mehr als nur ein Leben.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Shankar
Komponist/Komponistin: Philip Glass
Bearbeiter/Bearbeiterin: Suresh Lalwani (Orch. und Arr.)
Album: Passages
Titel: Ragas in minor scale
Ausführende: Ravi Shankar (Vocals) & Orch.
Leitung: Ashit Desai
Leitung: Suresh Lalwani
Länge: 07:32 min
Label: Private 210947

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