Anhängerin des Mandäismus während einer Schöpfungsfeier im Irak

AP/HADI MIZBAN

Franz Winter über Weltentstehungs- und Schöpfungsmythen

"Entstehen und Erwachen". Franz Winter, Religionswissenschaftler an der Universität Graz, will einen Einblick in das Kunterbunt der verschiedenen Weltentstehungen liefern und spannt den Bogen dabei von den Schöpfungsmythen der monotheistischen Religionen bis hin zu asiatischen Weltentstehungsmythen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Wie ist die Welt entstanden? Diese Frage steht im Mittelpunkt vieler Religionen, die zumeist ausführliche Darstellungen mit spektakulären Bildern in ihrer Tradition entwickeln. Heute soll ein Blick auf den Schöpfungsmythos einer Religion des Nahen Ostens geworfen werden, die erst in den letzten Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist, und das aus sehr tragischen Gründen. Die Existenz der Religion und Kultur der Jesiden war vermutlich vor den erschreckenden Ereignissen im Zusammenhang mit dem sogenannten "Islamischen Staat" nur wenigen Spezialisten der Kulturgeschichte des Nahen Ostens bekannt. Doch handelt es sich hier um eine eigenständige Tradition, die primär im Norden des heutigen Irak in einer sehr isoliert lebenden Gemeinschaft gepflegt wurde.

Die Darstellung der Entstehung der Welt erscheint recht spektakulär: Ursprünglich erschuf der höchste Gott nur eine Perle, die er auf dem Rücken eines Vogels mehrere tausend Jahre liegen ließ. Aus unerfindlichen Gründen kickte er dann diese Perle von ihrem Platz und sie zerfiel daraufhin in mehrere Teile, die wiederum die Basis für die verschiedenen Teile der Schöpfung, der Welt, darstellen. Die eigentliche Schöpfung wird dann aber nicht vom höchsten Gott, sondern von ihm untergeordneten sieben Engeln vorgenommen.

Der höchste Gott selbst bleibt fern und entrückt, gleichsam nicht erreichbar für die Menschen und nicht einmal mit der Schöpfung in Berührung. Von den genannten sieben Engeln ist vor allem einer wichtig, weil er dann zu einem zentralen Objekt der Verehrung der Jesiden wurde, nämlich der Engel Melek Taus, der in Form eines wunderschönen blauen Pfaus verehrt wird. Er ist übrigens auch beteiligt bei der Schöpfung der Menschen und tut dann etwas, was ihn besonders auszeichnet: Er kniet nämlich als einziger der Engel nicht vor Adam, dem ersten Menschen, nieder. Für diese Tat wird er von Gott belohnt, denn er macht das einzig Richtige, vor nichts außer Gott hinzuknien.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Ferdinando Carulli/1770 - 1841
Titel: Fantasia op.337 su un tema dal "Pirata" di Bellini für Flöte und Gitarre
* Largo (00:01:47)
Fantasie
Der Pirat, Il Pirata
Solist/Solistin: Claudio Ferrarini /Flöte
Solist/Solistin: Claudio Piastra /Gitarre
Länge: 01:47 min
Label: Koch Europa 350218

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