Rote Platz in Moskau

AP/ZEMLIANICHENKO

Bedrohung aus dem Osten

Feindbild Russland. Mit Hannes Hofbauer, Verleger und Wirtschafts- und Sozialhistoriker.
Gestaltung: Andreas Wolf

Russland beeinflusst Wahlen, besetzt und destabilisiert fremde Territorien, verübt Giftgasattentate, stützt Diktatoren, verübt Cyberangriffe, unterdrückt die Pressefreiheit, drangsaliert Oppositionelle, rüstet militärisch auf und betreibt Putin-Propaganda, so oder so ähnlich lauten die aktuellen westlichen Vorwürfe gegenüber Russland.

Das erste Mal tauchte ein negatives Russlandbild bereits im 15. Jh. auf, als der Deutsche Orden gegen den Moskauer Zaren Iwan III kämpfte. Der Krakauer Philosoph Johannes von Glogau sprach damals vom "barbarischen, asiatischen Russen". In Variationen wirken diese Zuschreibungen bis heute nach. Einen entscheidenden Einfluss auf die westliche Russlandsicht hatte die "Heartland-Theorie" des britischen Geografen Halford Mackinder. In seiner geopolitischen Analyse wies er auf die beschränkten Einflussmöglichkeiten der britischen Seemacht gegenüber den rohstoffreichen, russisch beherrschten Landmassen hin. Die 1904 entwickelte Theorie bildete den Ausgangspunkt zahlreicher geopolitischer Schlussfolgerungen. So bekämpften u.a. US-amerikanische und britische Interventionstruppen während der russischen Revolution die Rote Armee.

Bis in die Gegenwart aktuell ist die Verhinderung einer engen wirtschaftlichen und politischen Kooperation zwischen Deutschland und Russland. Von den USA torpediert wird eine Annäherung bereits seit dem 1. Weltkrieg, denn ein Zusammenschluss von Hochtechnologie und beinahe unbegrenzten Rohstoffressourcen würde den hegemonialen Bestrebungen der USA zuwiderlaufen.

Ein zentrales Anliegen der westlichen Politik war seit jeher auch die Herauslösung der Ukraine aus dem russischen Staatsverband.
Die aktuelle Anti-Russland-Stimmung geht auf das Ende der Jelzin-Ära zurück. Diese, durch massive Wahlfälschungen der USA prolongierte Periode, steht für den Ausverkauf Russlands an den Westen. Wladimir Putin stoppte diese Entwicklung.

In der Folge verschlechterten sich die Beziehungen zum Westen. 2002 kündigte die USA den ABM Vertrag zur strategischen Raketenverteidigung. Beinahe zeitgleich rückte die NATO, entgegen getroffener Vereinbarungen, bis an die russische Grenze vor. Heute umgeben rund 800 US-amerikanische Militärbasen Russland, das weltweit nur etwa 20 Stützpunkte im Ausland unterhält. Die Militärausgaben der NATO sind - Tendenz steigend - wesentlich höher als die russischen. Das Argument dahinter ist mehr als 500 Jahre alt und lautet: "Russland ist eine Bedrohung".

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