Sona MacDonald

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Die Gezeichneten

"Auf die Stirn geschrieben". Von Primo Levi (100. Geburtstag). Aus dem Italienischen von Heinz Riedt und Joachim Meinert. Es liest Sona MacDonald. Gestaltung: Gudrun Hamböck.

Enrico hat sich auf eine Annonce hin für einen Job beworben. Beim Vorstellungsgespräch stellt sich heraus, dass es sich nicht um "leichte Arbeit mit guter Bezahlung" handelt, sondern um eine "Bereitstellung": gegen eine stattliche Summe soll Enrico einen Werbeslogan auf der Stirn tragen. Er zögert. Seine Braut Laura ist begeistert und sieht nicht nur die gemeinsame Wohnung finanziert, sondern auch weitere Möglichkeiten ...

"Kapitalismuskritik" ist ein zu schwacher Begriff für die Radikalität, mit der Primo Levi in dieser tragisch-komischen Erzählung sein Lebensthema Entmenschlichung in einen Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Konsumwelt stellt. Nicht ein pervertiertes Justizwesen schreibt sich - wie in Kafkas "Strafkolonie" - in den Körper des Menschen ein, hier kooperiert das Individuum mit seiner Verdinglichung, entscheidet sich frei, seine Haut zu Markte zu tragen.

Primo Levi, geboren in Turin vor genau hundert Jahren, am 31. Juli 1919, entstammte einer liberalen jüdischen Familie. Er überlebte Auschwitz, wohin er 1943 deportiert worden war, und verfasste mit seinem autobiografischen Roman "Ist das ein Mensch?" einen der wichtigsten Zeitzeugenberichte des Holocaust. 1987 nahm sich Primo Levi das Leben. Den Text "Auf die Stirn geschrieben" schrieb er Ende der 1960er-Jahre, zusammen mit 13 weiteren Erzählungen, die in dem Band "Das Maß der Schönheit" zusammenfasst sind.

Service

Primo Levi, "Auf die Stirn geschrieben" aus "Das Maß der Schönheit". Erzählungen. Aus dem Italienischen von Heinz Riedt und Joachim Meinert. Deutscher Taschenbuch Verlag.

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