Zwei Pensionisten gehen über die Straße

APA/BARBARA GINDL

App zur Früherkennung von Morbus Parkinson +++ Ambulanz für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen

1.
Laut Schätzungen der WHO leiden weltweit über sechs Millionen Menschen an Morbus Parkinson. In Österreich sind etwa 20.000 Menschen davon betroffen, Männer etwas häufiger als Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt in der zweiten Lebenshälfte. Zehn Prozent der Erkrankten sind aber unter 45, wenn die Diagnose gestellt wird. In den vergangenen zehn Jahren wurde ein Zuwachs von über 20 Prozent registriert. Vorwiegend in der Altersgruppe 70+.
Morbus Parkinson ist zwar unheilbar, das Fortschreiten der Krankheit lässt sich mit Medikamenten aber relativ gut hinauszögern. Das Problem liegt in der Früherkennung. Die Symptome können in den Anfangs-Stadien so unauffällig sein, dass sie unbemerkt bleiben und die Krankheit über Jahre nicht diagnostiziert wird. Um die Parkinson-Früherkennung zu verbessern, gehen Patienten, Mediziner und Informatiker seit 2016 gemeinsam neue Wege: Im Kontext des EU Projektes "Horizon 2020" hat das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) gemeinsam mit elf Partnerinstitutionen aus sechs europäischen Ländern neue technologische Ansätze entwickelt. Darunter i-PROGNOSIS, eine App, bei der Gesunde und Patienten das Forschungsvorhaben unterstützen.
Andreas Maurer hat den österreichischen Botschafter des Programms, den Neurologen Prim. Dr. Dieter Volc, zum Gespräch getroffen.

2.
Wer in Österreich eine Ärztin oder einen Arzt braucht, wählt je nach Preis, Kompetenz und Sympathie eine oder einen der aktuell 45.000 praktizierenden Kassen- oder Wahlärzte.
Hat man eine Behinderung und ist etwa auf den Rollstuhl angewiesen, schränkt sich diese Wahlmöglichkeit beträchtlich ein. Viele Arztpraxen sind nicht gänzlich barrierefrei.
Für die etwa 5.000 in Österreich lebenden schwer- und mehrfachbehinderten Menschen reduziert sich die Auswahl noch einmal massiv.
Nur wenige Ärzte sind auf ihre verschiedenen "besonderen Bedürfnisse" ein- und ausgerichtet. Abgesehen davon, dass man mit einer guten Portion Empathie und Menschenliebe ausgestattet sein sollte, muss man sich für diese Patientinnen und Patienten viel mehr Zeit nehmen. Manche haben Angst - können sich nicht verbal artikulieren - und ihre Schmerzen äußern sie auf oft unübliche Art und Weise. Diese "andere Symptomatik" muss bei einer Diagnose berücksichtigt werden - was ein gewisses Spezialwissen voraussetzt. Es wären sehr viele solche Fach-Ärztinnen oder Fach-Ärzte erforderlich, gäbe es nicht Ambulanzen, wie die im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Uschi Mürling-Darrer hat dieses Vorzeigemodell der medizinischen Versorgung von schwer- und mehrfachbehinderten Menschen besucht und unter anderem mit der Mutter eines Betroffenen gesprochen.

Redaktion: Christoph Leprich

Service

1. I-Prognosis:

Interviewpartner:

Prim. Dr. Dieter Volc

Weiterführende Links:

I-Prognosis
Studie: Parkinson wird häufiger (Ärzteblatt 2016)
Parkinson Selbsthilfe Österreich
Mini-Computer hilft beim Patienten-Arzt-Austausch (Medica Magazin 2019)
Wie kündigt sich Morbus Parkinson an? (Gesundheit.de 2018)

Literatur:

Johannes Jörg, "Digitalisierung in der Medizin. Wie Gesundheits-Apps, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik das Gesundheitswesen revolutionieren", Springer Verlag 2018

David Matusiewicz, Christian Pittelkau, Arno Elmer, "Die Digitale Transformation im Gesundheitswesen: Transformation, Innovation, Disruption", Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2017

Jens Spahn, Markus Müschenich, Jörg F. Debatin, "App vom Arzt: Bessere Gesundheit durch digitale Medizin", Verlag Herder 2016


2. Ambulanz für mehrfach- und schwerbehinderte Patient/innen:

Interviewpartner:

OA Dr. Othmar Freudenthaler
Leitung der Ambulanz für mehrfach- und schwerbehinderte Patient/innen
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
Johannes-von-Gott-Platz 1
1020 Wien
Ambulanzzeit: Mi. ab 13.00 Uhr
Anmeldung: telefonisch oder persönlich vor Ort; Mo-Fr: 12:00-14:30
Telefon: 01/211 21-3186

Konvent-Hospital der Barmherzigen Brüder Linz
Landesklinikum Melk - Pilotprojekt Medinklusions-Ambulanz (MIA)

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