Johanna Schwanberg

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Johanna Schwanberg über Familie

"Familienbilder". Johanna Schwanberg, Direktorin des Dom Museum Wien, beschäftigt sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen, die mit den Mitteln der Kunst sichtbar werden. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Familienleben kann ungemein bereichernd sein. Aber auch ungemein anstrengend. Bereits in den vergangenen Wochen hat mir vor dem Schulbeginn gegraut und dem Hamsterrad, in dem wir uns dann als gesamte Familie wieder befinden.

Meine Kinder sind schon ziemlich groß. Aber auch eine Tochter im Maturajahr und ein Sohn, der gerade neu in einem berufsbildenden Oberstufengymnasium beginnt, bedeuten für zwei berufstätige Eltern eine Herausforderung. Insofern war mir sofort klar, dass das Meistern des familiären Alltagslebens sowie die Balance zwischen Familie und Beruf einen wichtigen Aspekt unserer Ausstellung "Family Matters" darstellen wird.

Viele Künstler, vor allem aber Künstlerinnen haben sich besonders seit den 1960er- und 1970er-Jahren vor dem Hintergrund des Feminismus mit dem oft schwierigen Verhältnis von Berufs- und Familienleben befasst. Überraschend vielleicht: Auch das Biedermeier thematisierte bereits die Gratwanderung zwischen beruflicher Verwirklichung und Familienalltag - wenn auch auf humorvoll-romantisierte oder moralisierende Weise.

Besonders amüsiert mich immer wieder ein Bild des österreichischen Genremalers Josef Danhauser, das uns das Wien Museum für unsere Familien-Schau geliehen hat. Es zeigt den Blick in ein Künstleratelier des 19. Jahrhunderts und lebt von warmen Brauntönen wie seinem feinen Pinselstrich. Im Vordergrund ist ein Maler zu sehen, der erschöpft auf einem gepolsterten Stuhl schläft. Der Künstler bekommt gar nicht mit, welch lebendiges Treiben sich hinter seinem Rücken abspielt. Denn da hat eines seiner beiden Kinder inzwischen das Ruder übernommen und malt das väterliche Landschaftsbild auf der Staffelei mit einem großen Pinsel weiter, während die Schwester zusieht. Im Hintergrund betritt die Mutter gerade das Atelier, um vielleicht dem kindlichen Schaffensdrang ein Ende zu bereiten. Oder um den Vater an seine vernachlässigte Sorgepflicht zu erinnern.

Ich mag dieses Bild, weil es mich an Tage erinnert, da ich neben spielenden Kindern versucht habe, einen Text zu schreiben. Oder die Kinder aus meinen Kunstbüchern Türme gebaut haben, während ich auf ihrer Spieldecke mit Kuscheltieren am Kopf erschöpft weggedöst bin.

Service

Dom Museum Wien: Family Matters

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Urheber/Urheberin: Jeff Barry/Tom Scott
Titel: Without us
Ausführender/Ausführende: Johnny Mathis and Deniece Williams
Länge: 04:02 min
Label: Columbia/Legacy B079Q96W1Q

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