Der Schatten einer erwachsenen Person mit zwei Kindern an den Händen

APA/DPA/PETER KNEFFEL

Das befreite Kind

Der Pädagoge Otto Felix Kanitz und die Schönbrunner Schule
Von Marlene Nowotny

Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen freie Entfaltung zu ermöglichen und sie gewaltfrei zu erziehen, das waren die Grundprinzipien der modernen Pädagogik, die Otto Felix Kanitz vor einhundert Jahren vertrat.

Die eigene Biografie dürfte einen großen Einfluss auf sein pädagogisches Wirken gehabt haben: Nach der Scheidung der Eltern wurden er und seine Brüder als kleine Kinder in ein katholisches Waisenhaus abgeschoben. Dort erfuhr der Bub eine strenge Erziehung, zu der auch Prügelstrafen gehörten. Methoden, die der erwachsene Otto Felix Kanitz zutiefst ablehnte. Er heuerte bei den sozialdemokratischen Kinderfreunden an, studierte Philosophie und Pädagogik und engagierte sich für gesellschaftliche und politische Erneuerungsprojekte des "Roten Wien". Kanitz konzipierte eine Erziehungsmethode, die sich an Werten wie Anerkennung, Unterstützung und Freundschaft ausrichtete.

1919 gründeten die Kinderfreunde die "Schönbrunner Schule". Dort gaben bekannte Lehrerinnen und Lehrer wie Alfred Adler oder Anton Tesarek die reformpädagogische Lehre an die nächste Erziehergeneration weiter. Reformansätze, die erst in den 1970er-Jahren unter dem Stichwort der "antiautoritären" Erziehung wiederentdeckt wurden.

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