Marin Alsop. Die Maestra aus Baltimore

"Jedes Hindernis eröffnet mir neue Möglichkeiten". Die Dirigentin Marin Alsop. Porträtiert von Christian Lerch und Elisabeth Stratka

"Mit diesem Orchester verbindet mich einiges: Sie teilen meine Begeisterung für eine ständige Erweiterung des Repertoires und für den Kontakt mit neuen Publikumsschichten", erklärte Marin Alsop bei der Vertragsunterzeichnung mit dem Wiener Radio-Symphonieorchester. "Es hat mich sehr berührt, dass es die Musikerinnen und Musiker selbst waren, die den Anstoß gaben, mit mir in Kontakt zu treten." Die US-Dirigentin wird ab September 2019 am Pult des RSO stehen und die Nachfolge von Cornelius Meister antreten.

Marin Alsop, geboren am 16. Oktober 1956 in New York, studierte in Yale und an der Juilliard School, bevor sie Ende der 1980er-Jahre ihre Karriere als Dirigentin startete. Kein Geringerer als Maestro Leonard Bernstein begleitete die Karriere der jungen Alsop. Als sie kein Angebot erhielt, das ihren Talenten entsprochen hätte, gründete sie 1984 kurzerhand ihr eigenes Orchester: Concordia. Sie durchbrach die gläserne Decke und übernahm 2007 das Baltimore Symphony Orchestra, dem sie seither vorsteht.

Marin Alsop lebt mittlerweile in Baltimore, jener amerikanischen Großstadt, die wohl am stärksten mit Armut, Kriminalität und Rassenkonflikten zu kämpfen hat. Alsop engagiert sich mit den "Orchkids" für die musikalische Bildung und schulische Unterstützung mittelloser schwarzafrikanischer Kinder. Mit ihrem humorvollen Temperament und ihrer Energie hat sie gelernt, sich in einer Männerdomäne zu behaupten: "Ich versuche jeden Tag mit 48 Stunden auszustatten, um alles unterbringen - einfach weil es mir solchen Spaß macht!"

Neben dem RSO, bei dem sie 2014 ein Programm mit Mahler und Bernstein dirigierte, war Alsop auch bei den New Yorker Philharmonikern und dem Chicago Symphony Orchestra als Gastdirigentin aktiv und führte Spitzeninstitutionen wie das Concertgebouw-Orchester, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Münchner Philharmoniker. Als erste Dirigentin war sie 2013 für die legendäre Londoner "Last Night of the Proms" verantwortlich. Thomas Angyan, der Intendant des Wiener Musikvereins, streute ihr bereits vor ihrem Debüt in Wien Rosen: "Spannende Begegnungen mit innovativen Programmen abseits des Mainstreams sind zu erwarten."

Redaktion: Eva Roither

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