Neue alte Medizin für junge Patienten

Pflanzenheilkunde bei Kinderkrankheiten

Mit dem Herbst beginnt auch wieder die Infektzeit. Gerade Kinder, die in die Schule oder den Kindergarten gehen, werden jetzt wieder öfter Erkältungen mit nach Hause bringen. Manche Eltern greifen dann zu Hausmitteln oder pflanzlichen Arzneimitteln, andere haben damit wenig Erfahrung. Wir gehen heute der Frage nach, welches Potential die Kräuterheilkunde bei Kinderkrankheiten hat bzw. wo ihre Grenzen liegen. Neben den Erkältungskrankheiten werden wir über Magen-Darmbeschwerden, Hautprobleme und Schlafschwierigkeiten bzw. innere Unruhe sprechen.

Die Rückkehr der Heilkräuter

In den vergangenen Jahrzehnten führte die Phytotherapie - die Pflanzenheilkunde - ein Schattendasein neben chemisch hergestellten Medikamenten. Dabei bilden Heilkräuter eine wesentliche Grundlage der modernen Medizin. So basiert etwa Aspirin auf dem pflanzlichen Wirkstoff der Weidenrinde. Mittlerweile erleben pflanzliche Arzneimittel aber eine Renaissance und werden zunehmend auch wissenschaftlich erforscht. Dadurch steigt nicht nur bei vielen Eltern, sondern auch in den ärztlichen Praxen ihre Beliebtheit. Allerdings werden Phytopharmaka von den Kassen nicht übernommen und müssen daher von den Eltern selbst bezahlt werden.

Gute Evidenz bei Erkältungskrankheiten

Pflanzliche Wirkstoffe sind besonders bei unkomplizierten viralen Erkrankungen geeignet, etwa Atemwegsinfekten. Bei viral bedingtem Schnupfen können sie den Schleim verflüssigen, sodass kein Nährboden für Bakterien entsteht. Gut erforscht ist hier zum Beispiel die Kapland-Pelargonie. Zur Therapie der Nasennebenhöhlenentzündung eignen sich unter anderem Enzian, Primel, Sauerampfer und Eisenkraut. Diese Pflanzen wirken entzündungshemmend und Schleimhaut abschwellend. Pflanzliche Präparate sind kein Ersatz für Antibiotika, allerdings liegen dem Großteil der Atemwegserkrankungen virale Ursachen zugrunde, weshalb Antibiotika in diesen Fällen nicht sinnvoll sind (und bei unüberlegter häufiger Gabe zu den berüchtigten Resistenzen führen können). Damit die richtige Therapie gewählt wird, sollte immer abgeklärt werden, ob Bakterien oder Viren die Erkrankung verursachen.

Hausmittel gegen Erkältungen

Natürlich helfen auch anno 2019 noch immer Omas Geheimrezepte gegen Fieber, Husten und Co, um Symptome zu lindern. Können Sie sich noch daran erinnern, wie sie mit Essigpatscherl, Topfen- und Zwiebelwickel das Bett hüteten? Hat Ihnen die Hühnersuppe geschmeckt? Bei harmlosen Erkrankungen sind Hausmittel neben besonderer Zuwendung mitunter sogar die bessere Wahl, damit für das Kind nicht der Eindruck entsteht, es brauche bei jedem Problem Medikamente. Wenn sich der Zustand des Kindes verschlechtert, sollte dennoch eine Ärztin oder ein Arzt beigezogen werden.

Wenns im Bäuchlein zwickt und zwackt

Bei Durchfall ist es vor allem wichtig, die verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen. Hier hat sich außerdem seit über 100 Jahren die "Karottensuppe nach Moro" bewährt. Bei Magen-Darm-Beschwerden kann neben Kamillentee auch Haferschleimsuppe helfen. Tee aus Anis-, Fenchel- oder Kümmelsamen kann Blähungen reduzieren. Bei Verstopfung sind Lein- oder Flohsamen wirksam. Auch hier ist es wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, damit die Samen quellen können.

Nicht immer harmlos

Pflanzliche Arzneien werden meistens zur Selbstmedikation eingesetzt, also nicht unter ärztlicher Aufsicht. Nicht unproblematisch, denn der Grundsatz "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung" gilt auch für Phytotherapeutika. So kann etwa Johanniskraut die Wirkung anderer Medikamente negativ beeinflussen und ätherische Öle können bei Kleinkindern Krämpfe und Atemnot auslösen - sie sind für diese Altersgruppe also nicht geeignet.

Eine Sendung von Julia Geistberger, MA.
Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Redaktion: Mag.a Nora Kirchschlager und Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie kleine Kinder - und wie retten Sie sich durch die Erkältungssaison?

Wie gehen Sie bei Magen-Darmproblemen Ihres Kindes vor?

Haben Sie einen Geheimtipp für besseren Schlaf?

Welche Erfahrungen haben Sie mit pflanzlicher Medizin?

Können Sie sich an die Hausmittel Ihrer Kindheit erinnern?

Service

Studiogäste im Funkhaus Wien:

Prim. Univ.-Prof. Dr. med. Karl Zwiauer
Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum St. Pölten
Dunant-Platz 1
3100 St. Pölten
Tel.: +43 2742 9004 11741
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Homepage

Dr.in Daniela Kasparek
Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Zusatzfach: Allergie und Lungenerkrankungen
Leiterin der Ordination "Gesund wachsen" in Wien-Ottakring
Thaliastraße 102-104/1/2
1160 Wien
Tel.: +43 1 493 19 47
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Homepage

Weitere Anlaufstellen und Info-Links:

Österreichische Gesellschaft für Phytotherapie
Broschüre "Hausmittel für Kinder" von der GKK Salzburg
Wie Honig gegen Husten wirkt
Wie Kapuzinerkresse und Meerrettich wirken - Studie
Pflanzliche Arzneimittel in der Pädiatrie - Studie
Infos zur Phytotherapie
Husten & Phytotherapie
Beschwerden lindern - Hausmittel für Kinder
Europäischer Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel
Hausmittel gegen Erkältung

Buch-Tipps:

Wolfgang A. Schuhmayer, Karl Zwiauer. "Kindern helfen mit neuen Hausmitteln: Traditionelle europäische Medizin wiederentdeckt", VdÄ Verlagshaus der Ärzte 2019

Claudia Schauflinger, "Bäuchlein-Öl & Zwiebelsocken. Kindgerechte Hausmittel Schritt für Schritt", Facultas/Maudrich 2018

Peter Voitl, "Kinderkrankheiten von A bis Z", VdÄ Verlagshaus der Ärzte 2011

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