Unheimliche digitale Klanglandschaften

"Zero Plays" des aus Minsk stammenden Medienkünstlers Anton Sarokin

In Anlehnung an das Ö1-Projekt Nebenan - Erkundungen in Europas Nachbarschaft zieht sich als roter Faden durch das Programm des heurigen ORF musikprotokoll festivals im steirischen herbst der Themenkomplex der geografischen Nähe beziehungsweise der Entfernung. Viele Länder wurden besucht und erforscht darunter Armenien, Georgien, Israel, Marokko, Tunesien und Weissrussland, das auch als Belarus bekannt ist.
Das Ö1 Kunstradio hat den aus Belarus stammenden Medienkünstler Anton Sarokin eingeladen im Rahmen des musikprotokolls eine neue Radioarbeit zu entwickeln.

In seinem Projekt "Zero plays" erforscht Sarokin unheimliche digitale Klanglandschaften bestehend aus Audio- und Videofiles, die ins Web hochgeladen und von niemanden je angesehen wurden. Diese im Netz verborgenen Soundstücke, werden nur von Algorithmen beobachtet. Die einsamsten digitalen Stimmen am dichtesten befüllten Ort - die Gespensterkolonie des Netzwerks. Ausgehend von der Tatsache, dass auf Grund der Filteralgorithmen bei der Suche die meisten der online hochgeladenen Inhalte unsichtbar bleiben, entschied sich Sarokin, den Klang der Tiefe zu erforschen. Er suchte nach Alltagsaufnahmen, die bisher von niemanden gesehen und von niemanden gehört wurden.

Sarokin konzentriert sich auf Fragen des individuellen und kollektiven Gedächtnisses, dem Verhältnis von Klang und Stille sowie der Beziehung zwischen Musik und Gesellschaft. Er arbeitet mit dem vielfältigen Potenzial von "found footage", den Aufnahmen aus persönlichen Archiven, Artefakten der Popkultur, digitalem Müll, Memes und Feldaufnahmen. Er kombiniert all diese Materialien um die in den Medien enthaltene Bedeutungen zu hinterfragen.

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