Ultra-orthodoxe jüdische Männer

AP/ARIEL SCHALIT

Dina Baranes über Jom Kippur und Sukkot

"Versöhnt und begleitet" - Unterwegs zwischen Israel und Österreich. Die Kulturanthropologin und Kommunikationsmanagerin Dina Baranes vom Center for Israel Studies Vienna nimmt die Tage vor Jom Kippur und den Versöhnungstag selbst zum Anlass, um über Erfahrungen in dieser Zeit nachzudenken, die sie in Israel und Österreich gemacht hat. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Wenn man in den Tagen des Laubhüttenfests - zu Sukkot - dem Fest, das auf Jom Kippur folgt, durch die Straßen der Städte und Dörfer Israels geht, dann sieht man sie - die vielen kleinen und großen Laubhütten, auf Balkonen, in Hinterhöfen, auf Parkplätzen und öffentlichen Plätzen.

Und bei uns im 2. Bezirk in Wien, rund um den Karmeliterplatz ebenso. Wo viele orthodoxe Juden und Jüdinnen in Wien leben, sind diese kleinen Hüttchen auf Balkonen und in Innenhöfen an diesen Herbsttagen, an welchen es schon merklich kühler und früher dunkel wird, nicht wegzudenken.

Nach Jom Kippur sieht man fromme orthodoxe Männer nicht nur in die Bethäuser eilen, nein, man sieht sie, und das ist doch etwas ungewöhnlich, in den Baumärkten eifrig nach Werkutensilien, Holzstreben und anderen Baumaterialien suchen. Es ist geboten, in den vier Tagen nach Jom Kippur eine Sukka, eine Laubhütte, zu bauen. Wichtigste Vorschrift dabei ist, das Dach darf nicht vollkommen bedeckt sein, Sonnenstrahlen sollen die Hütte erhellen und des Nachts die Sterne zu sehen sein. Im dritten Buch Mose heißt es dazu:

"Sieben Tage lang sollt ihr in Laubhütten wohnen. Alle Einheimischen in Israel sollen in Hütten wohnen, damit eure kommenden Generationen wissen, dass ich die Kinder Israels in Hütten wohnen ließ, als ich sie aus Ägypten herausführte - ich, der Ewige, bin euer Gott." (3. Buch Mose: Levitikus, 23,42-45)

Mit der Erinnerung an das 40- jährige Wandern durch die Wüste nach dem Auszug aus Ägypten geht es nicht um die Erinnerung an Wanderschaft und Heimatlosigkeit, sondern um die Freude und Geborgenheit, die durch das Zusammenkommen in der Sukka spürbar werden. Die wirkliche Magie, das Mystische, das Besondere der Sukka ist nicht, wie sie gebaut ist, sondern wie man in ihr lebt. Für eine Woche sind alle vereint, ohne Unterschiede, um beisammen zu sein für Avodat Hashem - Zman Simchateinu - ein Freudenfest. "Du sollst fröhlich sein an deinem Fest, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levit, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Stadt leben!" (5. Buch Mose, Deuteronomium, 16,14).

Und laut singen Jüdinnen und Juden - und so auch ich: Ve smachta be Chagecha ve haita ach sameach - glücklich sind wir und glücklich feiern wir gemeinsam dieses Fest. Und die Sukka bleibt Symbol für unser Leben, das wir in diesen Tagen reflektieren und mit Freude erfüllen. So ist es uns geboten - und so mag es auch andere Menschen, religiöse und nichtreligiöse, inspirieren.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Patrick Leonard
Komponist/Komponistin: Adam Cohen
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Leonard Cohen
Gesamttitel: YOU WANT IT DARKER
Titel: Traveling light
Solist/Solistin: Leonard Cohen /Gesang m.Begl.
Länge: 04:22 min
Label: Sony Music/Columbia 8898536507

weiteren Inhalt einblenden