Hand von Peter Handke

APA/BARBARA GINDL

Peter Handkes "Wunschloses Unglück"

Anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises: "Wunschloses Unglück" von Peter Handke. Es liest Philipp Hauß. Gestaltung: Edith-Ulla Gasser. Präsentation: Nicole Dietrich

Handkes unmittelbar nach dem Suizid seiner Mutter im Jahr 1971 geschriebene Erzählung porträtiert nicht nur Handkes Mutter, und mit ihr eine ganze Frauengeneration, sondern erzählt auch von Handkes Kindheit und Jugend, und von seinem Verhältnis zu seiner Familie. "Dass Peter Handke zu den großen Dichtern gehört, daran gibt es schon deshalb keinen Zweifel, weil er ‚Wunschloses Unglück' geschrieben hat, eines seiner innigsten und wahrhaftigsten Bücher", urteilte Ulrich Greiner in der "Zeit".

Peter Handke selbst sagte zum Prozess des Schreibens an dieser, seiner vielleicht persönlichsten Erzählung: "Die zwei Gefahren - einmal das bloße Nacherzählen, dann das schmerzlose Verschwinden einer Person in poetischen Sätzen - verlangsamen das Schreiben, weil ich fürchte, mit jedem Satz aus dem Gleichgewicht zu kommen. Das gilt ja für jede literarische Beschäftigung, besonders aber in diesem Fall, wo die Tatsachen so übermächtig sind, dass es kaum etwas zum Ausdenken gibt. Das Buch zu schreiben kam mir in den Sinn im Augenblick des Begräbnisses, als es geschneit hat - bei uns zuhause, das Gebirge zu sehen, mit den Fichten, die völlig still waren: grausam das alles. Wir waren ja in irgendeiner Weise ein seltsames Paar, von Kindheit an, auch durch ihre Erzählungen, durch ihre Leiden, ihr Tanzen, ihr Singen. Was mich betrifft, war ich wohl der gereizte Partner einer liebenden älteren Frau".

"Wunschloses Unglück" ist das bis heute meist gelesene Werk des 1942 im Kärntner Ort Griffen geborenen Autors, der heute in der Nähe von Paris lebt. 400.000 Exemplare wurden allein als Suhrkamp Taschenbuch verkauft. Der Titel "Wunschloses Unglück" ist ein geflügeltes Wort geworden. Im Text heißt es einmal: "selten wunschlos und irgendwie glücklich, meistens wunschlos und ein bisschen unglücklich".

"Im Grunde stimmt der Titel nicht, wie viele meiner Titel", sagt Handke. "Ich glaube nicht einmal, dass meine Mutter wunschlos war. Meine Mutter hatte bis zum Ende Wünsche. Sie hat sich immer noch einen anderen Mann gewünscht, einen, der ‚ein Kavalier' ist"…
"Später werde ich über das Alles Genaueres schreiben", lautet der letzte Satz dieses schmerzlichen Versuchs einer Vergewisserung, den der Autor selbst als fragmentarisch und unvollendet empfand.

Service

Aus: "Wunschloses Unglück" von Peter Handke; Suhrkamp Verlag

Weitere Informationen unter:
Ö1 Archiv - Literarisches Österreich
Ö1 macht Schule
Handke online - Österreichische Nationalbibliothek

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