Michael Schottenberg

APA/ROLAND SCHLAGER

Michael Schottenberg über das Leben

"Innehalten". Michael Schottenberg, Schauspieler, Regisseur und Autor, macht sich Gedanken über das Reisen, das Theater, das Schreiben, die Leidenschaft und das Fremde. Gestaltung: Alexandra Mantler

Fremd sein ist keineswegs die Ausnahme, es ist der Normalfall. Jeder ist irgendwann, irgendwo fremd. Touristen sind willkommen, man verdient an ihnen. Menschen vom Boot will man rasch wieder loswerden. Am besten, man baut Zäune. Wo? Weit weg. Wer zahlt's? Die anderen. Wie hoch? Bis weit über den Verstand. Selbst intelligente Menschen verfangen sich da gerne im Maschendraht ihrer Vorurteile.

Es steckt Scheu und Skepsis in der Begegnung mit dem Fremden. Humus für gutfrisierte Populisten. Angst war immer schon ein probates Druckmittel. Imaginär und konkret. Imaginär, weil der Mann mit dem kleinen Hut prinzipiell Neues ablehnt. Konkret, weil mit ‚fremd' immer auch die Angst vor dem Verlust von Eigentum einhergeht. Ich bin kein Politiker. Ich muss keine Lösungen finden. Ich darf Visionen haben. Eine davon lautet: Fantasie. Eine andere: Neugier. Beides löst Ängste auf. Was übrigens auch Bildung und Kunst tun. Kunst kann durch Vermittlung von Kulturen Räume schaffen, die angstfrei sind. Bilder, Musik, Tanz, Geschichten überwinden Barrieren. Herz und Emotion ist oft die verständlichere Sprache als Worte.

Eine Vision. Aber Visionen sind dazu da, um den Verstand aus der Deckung zu locken. Respekt und Anerkennung könnten es möglich machen, dass wir den Schritt wagen und einander mit unserer Welt vertraut machen. Ist es nicht der klügere Ansatz als das Schließen von Moscheen? Alles gegen Kriminalität. Aber nichts für Vorurteil und Ausgrenzung.

Es ist klar, was mich anleitet, wohin mich mein Weg führt und weshalb ich ihn gehe: Es ist die Sehnsucht nach Menschen und unseren Gemeinsamkeiten. Heutzutage können wir uns überall auf der Welt virtuell niederlassen. Wir können uns ungestört mit Menschen aller Länder mittels der Nabelschnur Internet unterhalten. Wir geben uns als Weltbürger, werden aber zu Kleinhäuslern, wenn Menschen aus anderen Welten bei uns auftauchen. Wir sind doppelt gemoppelt: Dank der Globalisierung agieren wir einerseits wie Nomaden und bestehen andererseits auf unsere Grenzen. Könnten wir uns doch bewusst machen, was da in uns abläuft, könnten wir doch mit dem Herzen denken.

Service

Michael Schottenberg, "Von der Bühne in die Welt. Unterwegs in Vietnam", Verlag Amalthea
Michael Schottenberg, "Von neuen Welten und Abenteuern. Unterwegs in Burma", Verlag Amalthea
Michael Schottenberg, "Von Träumen und Schiffen. Unterwegs auf dem Frachtschiff Ms Karina", Verlag Amalthea

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Mike Batt
Gesamttitel: CARAVANS / Original Filmmusik
Titel: Journey to Badek
Orchester: London Philharmonic Orchestra
Leitung: Mike Batt
Länge: 01:45 min
Label: CBS 4670302

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