Männer klettern über die Berliner Mauer

AP/LIONEL CIRONNEAU

Unser Anteil

Der Fall der Berliner Mauer und Österreich. Mit Maximilian Graf, Zeithistoriker und Research Associate am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.
Gestaltung: Rosemarie Burgstaller

Österreichs Haltung zur deutschen Einheit ist nicht ohne die Entwicklung der bilateralen Beziehungen zur DDR seit Mitte der 1970er Jahre zu erklären. Dies lag nicht zuletzt an den engen wirtschaftlichen Beziehungen, die man auch nach 1989 gerne weiterführen, ja sogar noch ausweiten wollte. Teile der österreichischen Politik und viele Wirtschaftstreibende zeigten nach dem allseits begrüßten Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 - nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Interessen - zunächst großes Interesse am Erhalt der Eigenstaatlichkeit der DDR. Bereits am 24. November 1989 besuchte Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) Ost-Berlin, Ende Jänner kam sein ostdeutsches Gegenüber, Hans Modrow, zu einem Gegenbesuch nach Wien. Außenminister Alois Mock (ÖVP) unterstützte von Anfang an die Politik des bundesdeutschen Kanzlers Helmut Kohl und betonte das Recht der Deutschen auf ihre Vereinigung. Während des Modrow-Besuchs in Wien teilte ihm DDR-Außenminister, Oskar Fischer, unter dem Eindruck seiner jüngsten Unterredungen in Moskau mit, dass es zur "Vereinigung" kommen werde. Damit dürfte er einer der ersten westlichen Politiker gewesen sein, der in dieser Deutlichkeit über den Sinneswandel in Moskau informiert worden war. Schlussendlich begrüßte die österreichische Politik die deutsche Einheit einhellig, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass man beim angestrebten Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft der Unterstützung des geeinten Deutschlands bedurfte.

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