Ein Obdachloser sitzt mit gebeugtem Haupt auf der Strasse

AP/FRANCOIS MORI

Scham muss keine Blöße sein

"Die Dauer der Scham". Von Mario Hladicz. Es liest Daniel Doujenis. Gestaltung: Ilse Amenitsch

Ein Loch im Parkett, das die ganze Wohnung zu verschlucken droht oder die Vorstellung, plötzlich obdachlos zu sein: "Ein Obdachloser nimmt uns beiseite und redet uns gut zu; noch hätten wir weiße Zähne, aber das gebe sich mit der Zeit, und auch die Scham gehe irgendwann vorbei".

Mario Hladicz' Erzähldebüt vereint Skurilles, Träume, Wünsche und Hoffnungen, und er verpackt seine Geschichten in ein Stimmungsspektrum von poetisch-schaurig bis zu einem heiteren Einfangen von Eitelkeit und Selbstkritik: "Während des gesamten Wegs zu diesem wichtigen Termin wurde er das Gefühl nicht los, dass ihm an den Mundwinkeln noch immer vereinzelt Essensreste klebten, die ihm seine Mutter nicht abgewischt hatte, vor über dreißig Jahren".

Mario Hladicz wurde 1984 in Graz geboren, studierte Germanistik und hat bisher Prosa und Lyrik in diversen Literaturzeitschriften (u. a. LICHTUNGEN, Podium) und Anthologien veröffentlicht. 2014 erhielt er den Literaturförderungspreis der Stadt Graz. 2017 erschien sein Lyrikband "Gedichte zwischen Uhr und Bett".

Service

Mario Hladicz, "Die Dauer der Scham", Edition Keiper, 2019

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