Bildnis des Ehepaars Schumann

BILD ARCHIV AUSTRIA

Clara19 - Eröffnungskonzert der Schumann-Festwochen

Gewandhausorchester Leipzig, Dirigent: Andris Nelsons; Lauma Skride, Klavier.
Clara Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 7 Robert Schumann: Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 38, "Frühlingssymphonie" Betsy Jolas: Letters from Bachville (Uraufführung, Auftragswerk des Gewandhausorchesters und des Boston Symphony Orchestra) (aufgenommen am 13. September im Gewandhaus Leipzig im Rahmen der "Clara-Schumann-Festwochen 2019").

Mit einem Konzert des Gewandhausorchesters wurden am 13. September die Leipziger Schumann-Festwochen eröffnet. Das Festival stand heuer im Zeichen von Clara Schumanns Geburtstag, der sich am 13. September zum 200. Mal jährte. Die Festwochen boten bis zum 29. September mehr als ein Dutzend Veranstaltungen mit dem Titel "Clara19" und waren der Höhepunkt im "Jubiläumsjahr Leipzig". Auf dem Programm stand das einzige Klavierkonzert von Clara Schumann, geborene Wieck, Robert Schumanns Symphonie, der so genannten "Frühlingssinfonie" sowie "Letters from Bachville" der 93-jährigen französischen Komponistin Betsy Jolas.


Das Werk einer 15-Jährigen

Im Alter von neun gab Clara Wieck in ihrer Geburtsstadt Leipzig im Gewandhaus ihr Debüt. Auch mit dem Komponieren hatte sie früh begonnen, mit technisch anspruchsvoller, weitgriffiger Klaviermusik. Mit 14 schrieb sich Clara einen knapp viertelstündigen Konzertsatz. Der neun Jahre ältere Robert Schumann war baff: Dieses Mädchen war ihm pianistisch überlegen. Was Instrumentation anlangte, da hatte er mehr Erfahrung, und er ermutigte sie, diesen Satz als Keimzelle für ein ganzes Klavierkonzert zu nehmen. Daraus wurde 1834 der dritte und längste Satz des Konzerts. Dann entstand der langsame Mittelsatz, eine Romanze für Klavier und Violoncello. Das intime, schwärmerische, "mit Anmut" zu spielende Duett war eine scheue Liebeserklärung - nicht an Robert Schumann, sondern an einen 18 Jahre älteren Cellisten. Zuletzt komponierte Clara Wieck den ersten Satz. Sie instrumentierte das Werk nochmals, änderte auch Robert Schumanns Eingriffe. Am 1. September 1835 war ihr Klavierkonzert vollendet - wenige Tage vor ihrem 16. Geburtstag. Am 9. November 1835 spielte sie ihr Klavierkonzert a-Moll op. 7 unter der Leitung des neuen Gewandhauskapellmeisters in Leipzig - und das war Felix Mendelssohn Bartholdy.


Das Verstummen einer Hochbegabten

Es blieb Claras einziges Klavierkonzert. Clara musste, wollte, acht Kinder erziehen, und die Familie mit Konzerten ernähren - Robert Schumanns psychische Erkrankung war eine weitere Belastung. Nach seinem Tod gab Clara Schumann das Komponieren auf und beschränkte sich auf ihre Konzertkarriere.

Fünf Jahre nach der Uraufführung von Clara Wiecks Klavierkonzert heirateten sie und Robert Schumann. Ein Jahr später wurde Robert Schumanns 1. Symphonie, die "Frühlingssymphonie", uraufgeführt. Am 31. März 1841 dirigierte Felix Mendelssohn Bartholdy das Gewandhausorchester. Noch eine Parallele zu Clara Wiecks Klavierkonzert gab es. Felix Mendelssohn Bartholdy hatte Schumann bei dieser Sinfonie bei der Instrumentation beraten - so wie Jahre zuvor Schumann seine spätere Frau Clara. "(Ganz) selig gewesen" sei er über diese Arbeit, schrieb Schumann: "Ich schrieb die Sinfonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrang, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt und in jedem Jahr von neuem überfällt. Schildern, malen wollte ich nicht; dass aber eben die Zeit, in der die Sinfonie entstand, auf ihre Gestaltung, und dass sie grade so geworden, wie sie ist, eingewirkt hat, glaube ich wohl."


Das Werk einer 93-Jährigen

Betsy Jolas war Schülerin von Darius Milhaud und Olivier Messiaen. "Letters from Bachville" der 93-jährigen französischen Komponistin war ein Auftragswerk des Gewandhausorchesters und des Boston Symphony Orchestra. Uraufgeführt wurde eserst im März in Boston unter der Leitung des lettischen Dirigenten Andris Nelsons, der beiden Orchestern vorsteht. Der Titel ist nicht ganz unzweideutig: Briefe aus der Bachstadt, aber auch Buchstaben könnten gemeint sein, durchziehen doch sowohl das Klangsymbol B-A-C-H das knapp viertelstündige Werk als auch Zitate in "reizvollen Klangkombinationen", wie es in einem Kommentar hieß, aus Werken von Johann Sebastian Bach.

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Clara Schumann/1819 - 1896
Titel: Konzert für Klavier und Orchester in a-moll op.7
Klavierkonzert
* Allegro maestoso - 1.Satz
* Romanze. Andante non troppo, con grazia - 2.Satz
* Finale. Allegro non troppo - 3.Satz
Solist/Solistin: Lauma Skride /Klavier
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Andris Nelsons
Länge: 21:21 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Robert Schumann/1810 - 1856
Bearbeiter/Bearbeiterin: Clara Schumann /Arrangement/1819 - 1896
Titel: Widmung - Nr.1 aus "Myrthen" op.25 / Bearbeitung für Klavier
Solist/Solistin: Lauma Skride /Klavier
Länge: 02:06 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Robert Schumann/1810 - 1856
Titel: Symphonie Nr.1 in B-Dur op.38
Populartitel: Frühlingssinfonie
* Andante un poco maestoso - Allegro molto vivace - 1.Satz
* Larghetto - 2.Satz
* Scherzo. Molto vivace - 3.Satz
* Allegro animato e grazioso - 4.Satz
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Andris Nelsons
Länge: 34:00 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Betsy Jolas / *1926
Titel: Letters from Bachville (2018)
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Andris Nelsons
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Clara Schumann Wieck / 1819 - 1896
Album: CLARA SCHUMANN WIECK: KLAVIERWERKE
* Nr.3 Mazurka
Titel: Soirees musicales für Klavier op.6
Solist/Solistin: Konstanze Eickhorst /Klavier
Länge: 03:13 min
Label: CPO9991322

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