Das kleine Dreimaleins

Die richtige Anwendung von Medikamenten



Die verordneten Tabletten sollen dreimal täglich eingenommen werden, aber wie genau? Vor, zu oder nach dem Essen? Mit viel Flüssigkeit oder auf nüchternen Magen? Auch sonn- und feiertags? Und was tun, wenn man sie einmal vergessen hat? Viele Fragen können mit der einfachen Verschreibung eines Medikamentes verknüpft sein. Fragen, die oft unzureichend geklärt sind. Wohl auch deshalb, weil sie so banal erscheinen.

Viele Fehlanwendungen

Rund 50 Prozent aller Medikamente werden falsch eingenommen, lautet die Einschätzung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Folgen: Eine mangelnde Wirksamkeit der Therapie und Nebenwirkungen, die vermeidbar wären.
Es lohnt sich also, seine eigene Medikation ab und an zu überprüfen. Neben den behandelnden Ärzten können Kunden in den heimischen Apotheken eine Medikamentenanalyse durchführen lassen. Dies sollte, so die Gmünder Apothekerin Irina Schwabegger-Wager, auch all jene Präparate umfassen, die man schon länger einnimmt. Denn auch bei gewohnheitsmäßig eingenommenen Therapien zeigen sich immer wieder Einnahmefehler.

Die unerfreulichen Fakten

Medikationsfehler zählen zu den häufigsten Problemen im Gesundheitswesen und sie sind Ursache Nummer 1 für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). Letztere sind verantwortlich für fünf Prozent aller Einweisungen in Krankenhäuser - und enden bei rund zwei Prozent der Patientinnen und Patienten tödlich. Untersuchungen aus den USA gehen sogar davon aus, dass 10 Prozent aller Todesfälle auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen sind.

Polypharmazie - Was zu viel ist, ist zu viel

Gerade bei älteren Patientinnen und Patienten ist die Polpharmazie, also die Verordnung mehrerer Medikamente üblich. Einem Viertel der über-65-Jährigen und mehr als der Hälfte der Personen über 80 werden gleich eine ganze Reihe von Substanzen für ihre Leiden verschrieben. Diese Praxis wird von Fachleuten durchaus kritisch gesehen, da die einzelnen Präparate miteinander interagieren und sich Wechselwirkungen einstellen. Zudem zeigt sich, dass mit steigender Zahl der einzunehmenden Tabletten nicht nur die Compliance, also die Therapietreue, sinkt, sondern es auch deutlich schwieriger für die Anwender ist, die Einnahmevorschriften korrekt zu befolgen. Eine zentrale Verarbeitung der Daten (Stichwort e-Medikation) soll dem entgegensteuern, damit gefährliche, pharmazeutische Zwischenfälle vermieden werden können.
Hinzu kommt: Viele Patientinnen und Patienten nehmen, so die Apothekerin Schwabegger-Wager, aus Gewohnheit Medikamente, obwohl der Grund dafür bereits weggefallen ist. Etwa ein Präparat zum Magenschutz, dessen Einnahme, trotz bereits abgesetzter Behandlung mit entzündungshemmenden Substanzen, über Monate und Jahre fortgesetzt wird.

Vorsicht vor Wechselwirkungen

Auch Nahrungsmittel können mit Wirkstoffen interagieren. Dass sich Alkohol nicht sonderlich gut mit der Einnahme von Medikamenten verträgt, versteht sich von selbst. Doch auch Milch oder Grapefruitsaft oder sogar Mineralwasser können die Resorption stark beeinflussen.
Da die Aufnahme bestimmter Präparate durch den gleichzeitigen Verzehr von Nahrungsmitteln unterschiedlich beeinflusst wird, müssen zeitliche Abstände zum Essen eingehalten werden. Dabei bedeutet "vor dem Essen" jedoch nicht, die Tablette mit dem ersten Löffel der Vorspeise und "nach dem Essen" mit dem letzten Löffel der Nachspeise zu schlucken. Korrekterweise sollte die Zeitdifferenz zuvor 30 Minuten, danach rund 2 Stunden betragen.

Dr. Ronny Tekal und seine Gäste informieren Sie in der aktuellen Radiodoktor-Ausgabe über den richtigen Umgang mit den Heilmitteln aus dem "Garten von Mutter Pharmazie".


Eine Sendung von Dr. Christoph Leprich und Dr. Ronny Tekal

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.


Fragen:
Fühlen Sie sich ausreichend informiert über die richtige Einnahme von Medikamenten?
Hatten Sie schon einmal eine unerwünschte Wirkung, die auf eine fehlerhafte Anwendung zurückzuführen war?
Geben Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker tatsächlich verständliche Information?
Haben Sie einen persönlichen Tipp, in Bezug auf die Einnahme eines Präparates?

Service

Sendungsgäste im Funkhaus Wien:

Univ.-Prof. Dr. Michael Freissmuth
Leiter des Zentrums für Physiologie und Pharmakologie
Medizinische Universität Wien
Währinger Str. 13a
A-1090 Wien
Tel.: +43/1/40160 31371
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Mag.a pharm. Irina Schwabegger-Wager
Apothekerin
Stadtplatz 37
A-3950 Gmünd
Tel.: +43/2852/52304
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Weitere Anlaufstellen und Info-Links:

Apothekenruf 1455
Medikamente richtig einnehmen (Österreichische Apothekerkammer)
Medikamenteneinnahme (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen)
Antibiotika richtig einnehmen (WGKK)
Top 10 der Arzneimittelinteraktionen
Medikamente im Straßenverkehr (Kuratorium für Verkehrssicherheit)
Polypharmazie & ältere Menschen (Gesundheitsministerium)
Studie zur Polypharmazie
Wechselwirkungscheck

Bücher:

Elsevier GmbH, "Taschenwissen Pflege Arzneimittel: Schnell - sicher - praxisnah", Urban & Fischer 2018

Kurz Langbein, Hans-Peter-Martin, "Bittere Pillen 2018-2020: Nutzen und Risiken der Arzneimittel", Kiepenheuer & Witsch 2019

"Medikamente im Test: 9.000 Arzneimittel geprüft und bewertet", Stiftung Warentest 2017

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