Jüdische Familie verlässt ein Haus

AP

Überleben auf Zeit

"Mischehefamilien" im NS-Regime in Wien. Mit Michaela Raggam-Blesch, Historikerin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Gestaltung: Rosemarie Burgstaller

Nur wenige Jüdinnen und Juden, die sich in der Zeit der NS-Herrschaft in Österreich aufhielten, konnten hier überleben: Rund 1.000 Menschen als so genannte U-Boote in Verstecken sowie etwa 5.500 Menschen, die in sogenannten "Mischehen" mit einem nicht-jüdischen Partner lebten oder einen nicht-jüdischen Elternteil hatten, überdauerten unter prekären Bedingungen die Zeit von 1938 bis zur Befreiung im Jahr 1945 in Wien.

Für die Nationalsozialisten stellte der Schutz durch die Ehe ein "unerledigtes Problem" dar, das auch auf der Wannseekonferenz zur systematischen Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden im Jänner 1942 diskutiert wurde. Nach den großen Deportationen aus Wien der Jahre 1941 und 1942 in die Konzentrations- und Vernichtungslager in Osteuropa traten "Mischlinge" und "Mischehen" verstärkt ins Visier der Machthaber. Dabei hing das Überleben oft vom nicht-jüdischen Teil der Partnerschaft ab. Verstarb dieser oder wurde die Ehe aufgelöst, endete auch der Schutz vor einer Deportation.

Das Leben der verbliebenen Jüdinnen und Juden und ihrer Familien war aber nicht erst dann bedroht. Neben Delogierung, behördlichen Schikanen und willkürlicher Kriminalisierung waren jüdische Angehörige einer sogenannten "nichtprivilegierten Mischehe" ab September 1941 zum Tragen eines gelben Sternes verpflichtet. Kamen sie dem nicht nach, um den Anpöbelungen aus Teilen der nicht-jüdischen Bevölkerung zu entgehen und wurden dabei entdeckt, folgte für die meisten die Deportation und der gewaltsame Tod.

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