Pinchas Steinberg

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Pinchas Steinberg und das RSO Wien

ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Pinchas Steinberg; Michael Barenboim, Violine. Dmitri Kabalewski: "Colas Breugnon", Ouvertüre aus der Oper "Le maître de Clamecy" op. 24 Arnold Schönberg Konzert für Violine und Orchester op. 36 Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 10 e-Moll, op. 93 (aufgenommen am 27. November im Großen Musikvereinssaal in Wien in Dolby Digital 5.1 Surround Sound). Präsentation: Gerhard Krammer

Pinchas Steinberg war von 1989 bis 1996 Chefdirigent des RSO Wien. Anlässlich der Jubiläumssaison 2019/20 kehrt er zum ersten Mal wieder ans Pult seines ehemaligen Orchesters zurück. Begleitet wird er von dem Geiger Michael Barenboim, den u. a. Pierre Boulez und Lorin Maazel förderten und der nicht zuletzt durch die Interpretation eines Konzertes Aufmerksamkeit erregte: dem Violinkonzert von Arnold Schönberg. Die Komposition, die Jascha Heifetz als "unspielbar" zurückwies (bevor dann Louis Krasner, der Uraufführungsinterpret von Alban Bergs Violinkonzert, das Gegenteil bewies), schrieb Schönberg in den ersten Jahren nach seiner Emigration in die USA. In dem Konzert bringt der Schöpfer der Zwölftontechnik klangliche Gegensätze unvermittelt zusammen: ein aufregendes, zuweilen schroffes Werk, dessen Modernität acht Jahrzehnte nach seiner Entstehung noch immer frappiert.

20 Jahre später verfasste Schostakowitsch seine zehnte Symphonie, eine heimliche Abrechnung mit dem Stalinismus. Nach Stalins Tod 1953 fühlte sich Schostakowitsch endlich wieder in der Lage, eine Symphonie zu schreiben, so emotional, sinnlich und intelligent, so hintergründig und auftrumpfend wie lange nicht mehr. Im legendären zweiten Satz will der Komponist, wie überliefert wurde, Stalin "vertont" haben: umfassende Orchester-Geschäftigkeit bei minimaler musikalischer Substanz. Man könnte auch sagen: viel Lärm um nichts. Dem steht die quälend lange, tieftraurige Einleitung des Finales entgegen. Hier klagt einer an, der unter Stalin gelitten, ihn aber überlebt hat.

Dmitri Kabalewski geht der Ruf voraus, unter Stalin weitaus stromlinienförmiger, gefälliger, lebensbejahender komponiert zu haben als der grüblerische und kluge Schachspieler Schostakowitsch. Ein Werk wie die Ouvertüre zu "Colas Breugnon" sollte deswegen nicht abschätzig beurteilt werden, zu mitreißend ist ihr Schwung. Und dass diese Ouvertüre nahezu zeitgleich mit Schönbergs Violinkonzert entstanden ist, malt das widerspruchsvolle Porträt der 1930er Jahre mit größter Deutlichkeit.
(Christoph Becher, Intendant des RSO Wien)

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, wenn Sie Ö1 unter "OE1DD" über einen digitalen Satelliten-Receiver und eine mehrkanalfähige Audioanlage hören.

Magazin "Musikfreunde" - Pinchas Steinberg

Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Georges Bizet/1838 - 1875
Titel: Symphonie Nr.1 in C-Dur
* Auftrittsapplaus (00:30)
* Allegro vivo - 1.Satz (00:07:00)
* Adagio - 2.Satz (00:09:51)
* Scherzo: Allegro vivace - 3.Satz (00:05:25)
* Finale: Allegro vivace - 4.Satz (00:05:59)
* Applaus (00:01:15)
Leitung: Pinchas Steinberg
Orchester: Radio Symphonieorchester Wien
Länge: 30:20 min
Label: UE/ORF-ZA-RECORD 0003

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