Szene aus "Die Passagierin"

APA/DPA/ARNO BURGI

Radiokolleg - Der Wiederentdeckung eines Unerwünschten

Zum 100. Geburtstag des jüdisch-polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (2). Gestaltung: Verena Gruber

"Ich sehe es als meine moralische Pflicht, vom Krieg zu schreiben", sagte Mieczyslaw Weinberg, der 1919 in Warschau geboren wurde. Weinberg war Jude und seine einzigartige Biografie verläuft zwischen der nationalsozialistischen und stalinistischen Diktatur. 1939 musste er vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht aus Warschau flüchten, seine jüdische Familie blieb zurück und wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Er gelangte in die kommunistische Sowjetunion und ließ sich in Minsk nieder, wo er sein Musikstudium, das er in Polen begonnen hatte, wiederaufnahm.

1941 musste er erneut flüchten und kam schließlich nach Moskau, wo er ein Freund von Dmitri Schostakowitsch wurde. 1953 wurde er unter Stalin inhaftiert und kam erst frei, als Stalin starb. Bis zu seinem Tod im Jahr 1996 lebte Mieczyslaw Weinberg in Moskau. Er war ein unermüdlicher Komponist. Er schrieb wie ein Besessener. Im Komponieren sah er eine Möglichkeit der Bewältigung des Traumas, das er erlitt. Und so steht sein gesamtes Werk im Zeichen des Krieges: Opern, Operetten, Symphonien, Streichquartette, Instrumentalwerke, Kammermusik, Filmmusik und Lieder.

Seine bedeutendste Oper, die Auschwitzoper "Die Passagierin", wurde erst 2010, mehr als 40 Jahre nach ihrer Veröffentlichung, bei den Bregenzer Festspielen uraufgeführt. Seitdem erlebt sein Oeuvre eine internationale Renaissance. Im Dezember 2019 jährt sich der 100. Geburtstag von Mieczyslaw Weinberg, der mittlerweile zu einem der bedeutendsten jüdischen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt.

In der Radiokolleg-Reihe spricht Verena Gruber unter anderem mit vielen Musikern und Dirigenten, die sich um die Wiederentdeckung Mieczyslav Weinbergs verdient gemacht haben: Gidon Kremer, Linus Roth, Mirge Grazinyte-Tyla, Oksana Lyniv, Nicolas Altstaedt, Frank Stadler ua.

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Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Dimitri Schostakowitsch
Titel: Symphonie Nr. 10 (piano assangement)
I: Weinberg, Schostakowitsch
Label: Melodiya

Komponist/Komponistin: Mieczylaw Weinberg
Titel: Sonate für Violine und Klavier, Nr.5
I: Linus Roth
Label: Challenge

Komponist/Komponistin: Mieczyslaw Weinberg
Album: CELLOKONZERTE VON SCHOSTAKOWITSCH, LUTOSLAWSKI & WEINBERG / Nicolas Altstaedt
* Adagio - 1.Satz (00:08:47)
Titel: Konzert für Violoncello und Orchester in c-moll op.43
Cellokonzert
Solist/Solistin: Nicolas Altstaedt /Violoncello
Orchester: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Michal Nesterowicz
Länge: 08:46 min
Label: Channel Classics CCS38116

Komponist/Komponistin: Mieczyslaw Weinberg
Album: CELLOKONZERTE VON SCHOSTAKOWITSCH, LUTOSLAWSKI & WEINBERG / Nicolas Altstaedt
* Allegro - 4.Satz (00:09:18)
Titel: Konzert für Violoncello und Orchester in c-moll op.43
Cellokonzert
Solist/Solistin: Nicolas Altstaedt /Violoncello
Orchester: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Michal Nesterowicz
Länge: 09:22 min
Label: Channel Classics CCS38116

Komponist/Komponistin: Dimitri Schostakowitsch
Titel: Symphonie Nr.15 in A-Dur op.141
* Adagio < - > attacca > - 2.Satz (00:15:08)
Orchester: Wiener Symphoniker
Leitung: Eliahu Inbal
Länge: 15:08 min
Label: Denon CO 78948

Komponist/Komponistin: Mieczylaw Weinberg
Titel: Symphonie Nr. 1, op. 10
* 1. Satz
Orchester: Gothenburg Symphony Orchestra
Leitung: Thord Svedlund
Länge: 15:15 min
Label: Chancos CHSA 5078

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