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Punkt eins
Das Ende des kurdischen Traums?
Syriens Kurden im Umbruch. Gast: Dr. Thomas Schmidinger, Politikwissenschaftler und Autor, Associate Professor an der University of Kurdistan Hewler (UKH) in Erbil in Irakisch-Kurdistan und Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien. Moderation: Philipp Blom. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
11. Februar 2026, 13:00
Seit der syrische Präsident Ahmed Al-Sharaa im Januar eine Militäroffensive angefangen hat, um die kurdischen Gebiete im Norden des Landes zurückerobern, stellt sich die Frage nach dem Schicksal der Kurden neu. Das kurdische Gebiet erstreckt sich über Iran, Irak, die Türkei und Syrien. Im multiethnischen Syrien und in der Region überhaupt unterscheiden sich die Kurden auch dadurch, dass sie indoeuropäischer Abstammung und historisch stark um Unabhängigkeit oder doch zumindest Autonomie bemüht sind. Nicht nur deswegen wurden sie in allen Ländern blutig unterdrückt.
Doch die Kurden sind auch Akteure ihrer eigenen Geschichte. Besonders ihre Streitkräfte, in der Männer und Frauen nebeneinander kämpfen, sind ein wichtiger Faktor in der Region. Im Kampf gegen Dschihadistische Milizen und den sogenannten Islamischen Staat waren sie die wichtigsten Verbündeten des Westens, eroberten große Gebiete und nahmen dafür hohe Verluste in Kauf. Nach dem Krieg wurden sie von den USA mit der Bewachung von Zehntausenden von islamistischen Gefangenen betraut. Auch deshalb wuchs unter Kundinnen und Kurden die Hoffnung auf Unabhängigkeit.
Nach dem Sturz von Bashar Al-Assad schien dieser Traum Wirklichkeit zu werden, bis die syrische Armee ihm jäh ein Ende bereitete. Am 30. Januar schlossen Repräsentanten der Kurden mit der syrischen Regierung einen Vertrag, der sie in den Staatsapparat eingliedern wird. Die Autonomie ist damit wieder in weite Ferne gerückt. Das aber ist nicht das Ende der Geschichte sagt Thomas Schmidinger, der aus Kurdistan zugeschaltet ist, im Gespräch mit Philipp Blom. Syrien und die umliegende Region sind noch längst nicht stabilisiert, das Schicksal der Kurden wird nicht nur in einem Land entschieden und auch die Ausrichtung Syriens zwischen Demokratie und islamischer Autokratie ist noch längst nicht gesichert.
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