Zwillinge in einem Kinderwagen, einer davon starrt auf ein Handy

AFP/SERGEI SUPINSKY

Pseudo-Autismus

Der Einfluss digitaler Medien auf die frühkindliche Entwicklung.
Von Margarethe Engelhardt-Krajanek

Kinderärzte schlagen Alarm. Rund die Hälfte der Kinder, die an neuropädiatrische Zentren mit der vermeintlichen Diagnose "Autismus" überwiesen werden, haben eine soziale Entwicklungsstörung. Der Grund: bereits Babys werden mit den bewegten Bildern auf Handy oder Tablet "ruhiggestellt". Stirnbänder für Mütter mit Handyhalter sollen gewährleisten, dass die bunten Bilder Kleinstkinder beim Windelwechseln ablenken. Töpfchen mit Handyhalter versprechen eine sorgefreie Windelentwöhnung. Und der Handyhalter am Babywagen gehört schon fast zum guten Ton.

Gut gemeint, aber gefährlich. Denn was Kleinstkinder brauchen, ist die unmittelbare sprachliche und sinnliche Kommunikation mit den Bezugspersonen. So erwerben Kinder ihre Sprache und die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen und zu benennen. In der Interaktion beim Stillen, Füttern, Windelwechseln und beim gemeinsamen Spiel entwickeln Kinder ihre soziale Kompetenz. Sie antworten und wollen beantwortet werden. Wenn digitale Filter die unmittelbare Kommunikation unterbinden, entwickeln Kinder Sprachstörungen, sie können nicht auf ihre soziale Umwelt reagieren und verstummen. Psycholog/innen wie Neuropädiater/innen sind immer öfter mit dieser Entwicklungsstörung konfrontiert. Darum warnen sie vor dem Konsum digitaler Medien im frühen Kindesalter.

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