Edzard Reuter

DPA

Wirtschaften mit Verantwortung

12 Fragen an den Ex-Daimler-Benz-Vorstand Edzard Reuter
Gestaltung: Katrin Mackowski

Edzard Reuter, der in der Öffentlichkeit bisweilen als die Verkörperung eines engagierten politisches Gewissens gilt, prangert an:
Gier und Heuchelei nehmen zu in den großen Unternehmen unserer Zeit. Ein selbstherrlicher, narzisstischer Führungsstil hat sich inzwischen in Wirtschaft und Politik etabliert. Verantwortungsbewusstsein fehlt oder ist gar nicht erst gefragt, sagt Edzard Reuter und fordert alte, scheinbar verschollene Tugenden zurück: Anstand und Augenmaß, Mitmenschlichkeit und gut abgewogene Entscheidungen, die nicht nur die Führungsetage von oben nach unten verordnet, sondern im gesamtunternehmerischen Denken verortet.
Gerade heute, in der Welt der Globalisierung, ist das genauso möglich wie vor der Digitalisierung, erklärt Reuter und wird nie schneidend, kämpft mit feiner Klinge:

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz ist inzwischen 91 Jahre und wird nicht müde, Markt und Moral leidenschaftlich zu erörtern. Edzard Reuter bringt mit, was alle vermissen: eine kraftvolle und begeisterte Stimme, die sich nicht scheut, Visionen zu formulieren. Es sind Gedanken über Zuwanderung und Klimawandel. Aber vor allem sind es deutliche Worte darüber, wie sich mit gutem Gewissen ein Unternehmen führen lässt. Doch ist für den "ehrbaren Kaufmann" überhaupt noch Platz im Turbokapitalismus des 21. Jahrhunderts?

Edzard Reuter wurde 1928 in Berlin als Sohn des späteren Berliner Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter geboren. Seine Kindheit verbrachte er in der Türkei. Ab 1947 studierte er Mathematik und Theoretische Physik an der Berliner Humboldt-Universität und später Jus an der Freien Universität in Berlin.

1998 wurde Reuter zum Ehrenbürger von Berlin ernannt und gründete die Helga und Edzard Reuter-Stiftung zur Förderung der Völkerverständigung. In Werken wie "Stunde der Heuchler" (2010) oder "Egorepublik Deutschland" (2013) geht Edzard Reuter mit der Manager-Elite hart ins Gericht.

Ein Salzburger Nachtstudio von Katrin Mackowski

Sendereihe

Gestaltung

  • Katrin Mackowski