Eine Statue von Alexander des Großen

APA/AFP/Louisa GOULIAMAKI

Der Ruf nach Helden

Warum Demokratien sie benötigen
Von Nikolaus Halmer

Helden haben u.a. deshalb einen schlechten Ruf, weil Politiker und Publizisten sie immer wieder als Krieger gefeiert haben. Dieser Feier des Martialischen stellt der in St. Gallen lehrende Philosoph Dieter Thomä eine neue Form des Heroismus entgegen. Er plädiert für ein Heldentum, das im Engagement von Menschen besteht, die sich aktiv für politische Verbesserungen oder humanitäre Ziele in der demokratischen Gesellschaft einsetzen. -Thomä beschreibt unterschiedliche Gestalten der demokratischen Helden.

Dazu zählt er den Whistleblower Edward Snowden, der das Ausmaß geheimdienstlicher Überwachungs- und Spionagepraktiken sichtbar gemacht hat. Als altruistische Heldin bezeichnet Thomä die französische Philosophin Anne Dufourmantelle, die bei dem Versuch, Kinder aus dem Mittelmeer zu retten, ertrunken ist. Diese Heldinnen und Helden widerlegen die Thesen "postheroischer" Theoretiker wie Herfried Münkler, die jede Form des Heldentums ablehnen. Die nur dazu beitragen, so Thomä, das Heldentum totalitären Strömungen wie dem islamischen Fundamentalismus zu überlassen.

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LITERATUR:

Dieter Thomä: Warum Demokratien Helden brauchen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Heroismus, Ullstein Verlag

Nicole Falkenhayner: Kurt Cobains Tod: Zur Konstruktion eines paradoxen Generationshelden, in: Cornelia Brink, Nicole Falkenhayner, Ralf von den Hoff: Helden müssen sterben. Von Sinn und Fragwürdigkeit des heroischen Todes, Ergon Verlag

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