Ein Steinbock

KEYSTONE/ARNO BALZARINI

Existieren auf Sparflamme

Der Wildbiologe Walter Arnold über Strategien der Wildtiere, den Winter zu überleben.
Teil 3: Außen kalt, innen warm.
Gestaltung: Maria Harmer

"Gämsen, Steinböcke oder Rothirsche schrauben ihre Stoffwechselaktivität im Winter um die Hälfte herunter", erklärt Walter Arnold, Leiter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Denn die strengen Winter sind für die Tiere auf Grund der niedrigen Temperaturen und des geringen Nahrungsangebotes eine Herausforderung. Eine Herausforderung, an die sie sich im Lauf der Evolution aber gut angepasst haben: Vor Beginn des Winters wird ordentlich gefuttert, werden Fettreserven angelegt. Mit dieser gespeicherten Energie muss sorgfältig umgegangen werden, und dafür haben die Tiere ausgeklügelte Methoden entwickelt. "Die Tiere überleben den Winter nur, weil sie ihre Stoffwechselaktivität vor allem durch das Absenken der Körpertemperatur dramatisch reduzieren", sagt Arnold.

Mit miniaturisierten Messgeräten untersuchten er und sein Team die Körperfunktionen von Murmeltieren sowie von Tieren, die keinen Winterschlaf halten, wie Rothirschen, Steinböcken oder Gämsen. Er erzählt von eingebauten Wärmetauschern im Blutkreislauf und bei der Atmung, einem System, das Menschen sich in modernen Heizungstechniken zunutze machen. Und er konnte nachweisen, dass Wildtiere viel weniger Nahrung zu sich nehmen und ihre Mägen dadurch schrumpfen, was den Energieaufwand zusätzlich reduziert. Spannend ist auch, dass Wildtiere vor dem Winter gezielt jene Nahrung zu sich nehmen, die ihnen konkret hilft, die Körpertemperatur auf einem Niveau zu belassen, das die Funktion insbesondere des Herzmuskels ermöglicht.

"Es sind beeindruckende Anpassungsstrategien", sagt der Wildbiologe Walter Arnold. Er beschreibt ein "Leben auf Sparflamme". Und er warnt vor Störungen durch den Menschen, da jeder zusätzliche Energieaufwand das Leben des Wildtieres gefährden, im schlimmsten Fall sogar frühzeitig beenden kann.

Service

GESPRÄCHSPARTNER:

Univ.-Prof. Dr. Walter Arnold
Veterinärmedizinische Universität Wien
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie

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