Frederico Fellini steht vor einem Portrait seiner Frau

AP/CLAUS HAMPE

Christian Rathner über Federico Fellini

"Gaukler und Fantast". Christian Rathner, Filmexperte und Filmemacher, macht sich Gedanken zu Federico Fellini, anlässlich dessen 100. Geburtstags. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Wichtiger als das Drehbuch, ja sogar wichtiger als die schauspielerische Fähigkeit, sagte Federico Fellini, seien ihm Gesichter. "Sie sagen mir, wie der Film aussehen wird." Allein für "Fellinis Satyricon" aus dem Jahr 1969 wählte er aus 3000 Gesichtern aus. Der Film spielt in der Antike, aber Fellini hatte die Gegenwart im Visier. Materieller Überfluss, Zynismus, Selbstsucht, Korruption, Lüsternheit und Machtgeilheit seien durchaus Parallelen zwischen der vorchristlichen Antike und der Gegenwart. Auch heute würde Fellini seine Gesichter und Gestalten finden, seine Propagandisten und Raufbolde, seine Lüstlinge und Menschenmassen, die ihre Todesangst hinter schönem Schein verbergen.

In "Amarcord" aus dem Jahr 1973 hat er seiner Heimatstadt Rimini ein Denkmal gesetzt und sich an seine Jugend zur Zeit des Faschismus erinnert. Der Film zeigt auf liebevolle, aber auch groteske Weise, wie sich der Duce und seine Macht in die Seelen fressen. Auch in "Amarcord" geht es freilich um die ewige menschliche Suche nach Liebe, Rettung und Erlösung. Und um den Tod.

Eines Tages verirrt sich der alte Großvater vor dem Haus im Nebel. "Wo bin ich", fragt er. "Ich scheine nirgendwo zu sein. Wenn der Tod so ist, dann halte ich nicht viel von ihm. Alles ist weg. Die Leute, die Bäume, die Vögel in der Luft, der Wein. So ein Mist." Fellini starb 1993 mit 73, in dem Jahr, in dem er einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk erhalten hatte. Seine Frau Giulietta Masina überlebte ihn nur um einige Monate.

"Ich bin ein großer Lügner", sagte er in einem berühmten Interview. Ein Lügner? Mit seinen Kostümen, Masken, Farben, Gebäuden aus Pappmaschee erzeugt Federico Fellini ein ums andere Mal Zusammenstöße mit der Wahrheit - mit einer Wahrheit, die bitter sein kann, weil sie die eigene ist.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Urheber/Urheberin: Rota
Album: CINEMA ITALIANO HENRY MANCINI: Music of Ennio Morricone & Nino Rota
Amacord
Ausführender/Ausführende: Henry Mancini
Ausführender/Ausführende: And the Mancini Pops Orchestra
Länge: 03:36 min
Label: RCA VICTOR 60706-2-RC

weiteren Inhalt einblenden