Petrischalen mit Zitrussetzlingen, die im Bereich der Genetikforschung eingesetzt wurden

AP/FEDERICA NARANCIO

Der Mensch ist mehr ...

Epigenetik, oder: Wie wir unsere Gene steuern
Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek

Die Molekulargenetik hat das wissenschaftliche Weltbild des 20. und 21. Jahrhunderts grundlegend verändert. Von der Dechiffrierung des genetischen Codes durch Marshall Warren Nirenberg und Heinrich Matthaei in den 1960er Jahren bis zur Entwicklung der sogenannten Genschere: der CRISPR/Cas Methode durch die Arbeitsgruppe von Emanuelle Charpentier und Jennifer Doudna 2015 arbeiten Wissenschaftler weltweit an der Frage: wie sich die Entschlüsselung des Erbguts nutzen lässt. In diesem Diskurs gewinnt die Epigenetik an zentraler Bedeutung. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts haben Wissenschaftler wie Thomas Jenuwein vom Max Planck Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Heidelberg den Bauplan des Erbguts genauer untersucht und festgestellt: Das Genom besteht aus zwei Teilen: Dem genetischen Code, der D N A, und dem Epigenom.

Seine Marker sind rund um das Genom platziert. Sie haben die Aufgabe, die Aktivität eines Genoms zu regulieren. Das Epigenom bestimmt, wann ein Genom aktiv wird und wann nicht. Und: es reagiert auf Umweltveränderungen und gibt diese Informationen an die nächste Generation weiter. Denn Gene, so die Erkenntnis der Wissenschaftler, sind ausschließlich das biologische Grundgerüst des Erbguts. Ob und wie sie aktiviert werden, bestimmen die Epigenome. Und diese werden von den Lebensbedingungen maßgeblich beeinflusst. Hat sich damit die Sicht auf den Menschen verändert? Welche ethischen und sozialpolitischen Folgen haben diese Erkenntnisse bei Fragen von Leihmutterschaft oder künstlicher Befruchtung? Gewinnt mit dem Wissen um die Epigenetik die Eigenverantwortung an Bedeutung?

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