Werner Pirchner

LUKAS DOSTAL

Werner Pirchner, der Vibrafonist

Musik aus allen Richtungen mit Andreas Felber. Zum 80. Geburtstag des Tiroler Kosmopoliten

Exakt heute, am 13. Februar 2020, wäre er 80 Jahre alt geworden: Werner Pirchner, der 2001 viel zu früh verstorbene Instrumentalist, Komponist, Gesellschaftskritiker, Freigeist, Tausendsassa zwischen Tirol und der weiten Welt.

Dessen Weg als professioneller Musiker als Vibrafonist begonnen hat. Das war Ende der 1950er Jahre in seinem Geburtsort Hall in Tirol, nach Abschluss einer Lehre als Schriftsetzer, die mit der Entscheidung koinzidierte, Musiker zu werden: 1959 legte sich der eigensinnige Teenager, der über Schallplatten eines Onkels mit dem Jazz-Virus infiziert worden war, ein in alpenländischen Gefilden geradezu exotisches Vibrafon zu. Das Spiel darauf brachte er sich - wie so vieles - autodidaktisch bei. Zu ersten Schallplattenehren kam Werner Pirchner vier Jahre später in Innsbruck, in der Band von Trompeter und Gitarrist Oscar Klein.

Das Vibrafon blieb viele Jahre lang die berufliche Basis, auch wenn Pirchners Ausflüge in andere Territorien zunahmen - etwa als Komponist für Filmmusik: jene zu den Städteporträts von Henry Materna bildeten 1966 als "24 Deka Jazz-Lieder" die (ursprüngliche) Nummer 1 des Pirchner-Werkverzeichnisses (PWV). Oder einige Jahre später, 1973, als Satiriker und Gesellschaftskritiker im berühmten "Halben Doppelalbum", als der Werner Pirchner mit bitterbösem Humor über Kirche und Heimat reflektierte.

Mitte der 1970er Jahre bedeutete die Bekanntschaft mit dem Wiener Gitarristen Harry Pepl eine Intensivierung der instrumentalen Tätigkeit: Die Zusammenarbeit nahm im Quartett "Hip Jargon" ihren Anfang, bald schälte sich daraus das berühmte "Jazz-Zwio", eine der originellsten Formationen der österreichischen Jazzgeschichte. Vor allem in der ersten Hälfte der 1980er Jahre feierte das Duo Pepl/Pirchner mit seiner wilden, ungezähmten, immer wieder auch berührenden, lyrischen Musik Erfolge auf Europas Jazzfestivalbühnen - mit dem auch auf Platte dokumentierten Auftritt beim Jazzfestival Montreux 1981 als Höhepunkt. Das Vibrafon-Gitarre-Tandem fand sich dabei immer wieder durch prominente Schlagzeuger wie Jack DeJohnette, Barry Altschul oder Famoudou Don Moye zum Trio erweitert wurde. Harry Pepl und Werner Pirchner vollzogen indessen auch den Schulterschluss mit der jungen österreichischen Jazzszene: Das "Jazz-Zwio" fand sich Ende der 1970er Jahre punktuell in das soeben gegründete Vienna Art Orchestra eingemeindet, etwa im Rahmen der Debüt-LP "Tango From Obango".

1985 beendeten Harry Pepl und Werner Pirchner ihre Zusammenarbeit. In dieser Zeit verlagerte sich der Tätigkeitsschwerpunkt von Pirchner immer mehr auf die Komposition, er schrieb Bühnenmusiken, etwa für die Tiroler Volksschauspiele in Telfs oder das Volkstheater in Wien. Aber auch schon für den Konzertsaal, beginnend mit der großartigem Solosonate "Good News From The Ziller Valley" für den Tiroler Geiger Peter Lefor. Kurze Zeit später legte Pirchner die Vibrafon-Schlägel für immer aus der Hand. Sein letzter Auftritt war ein wichtiger: Er fand am 13. März 1988 im Rahmen des Deutschen Jazzfestivals Frankfurt statt. Mit Pirchner standen auf der Bühne: der junge steirische E-Bassist Robert Riegler und der große deutsche Posaunist Albert Mangelsdorff. Ein standesgemäßer Abschied, wie der (nicht auf Tonträger veröffentlichte) Mitschnitt des Hessischen Rundfunks hören lässt. 13 erfolgreiche Jahre als Komponist sollten folgen, bis zu Werner Pirchners Tod am 10. August 2001 in Innsbruck.

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Werner Pirchner
JazzZwio Live in Concerts Montreux 1981, Innsbruck 1984
Titel: Raga In M (Montreux Casino 1981)
Solist/Solistin: Werner Pirchner
Solist/Solistin: Harry Pepl
Länge: 09:01 min
Label: Universal Music

Komponist/Komponistin: Ray Charles
Album: EARLY OSCAR KLEIN
Titel: Black Jack
Ausführende: OSCAR KLEIN QUARTETT & MIRIAM KLEIN
Ausführende: Miriam Klein, Stimme
Ausführende: Oscar Klein, Gitarre
Ausführende: Werner Pirchner, Vibrafon
Ausführende: Günther Pollack, Bass
Ausführende: Karl Strobl, Schlagzeug
Länge: 04:38 min
Label: RST Records 91564-2

Komponist/Komponistin: Mathias Rüegg
Album: TANGO FROM OBANGO
Titel: Tango from Obango/instr.
Orchester: Vienna Art Orchestra
Leitung: Mathias Rüegg
Solist/Solistin: Lauren Newton /Gesang
Ausführender/Ausführende: Rudi Berger
Ausführender/Ausführende: Wolfgang Puschnig
Ausführender/Ausführende: Harry Sokal
Ausführender/Ausführende: Roman Schwaller
Ausführender/Ausführende: Karl Fian
Ausführender/Ausführende: Herbert Joos
Ausführender/Ausführende: Christian Radovan
Ausführender/Ausführende: Werner Pirchner
Ausführender/Ausführende: Uli Scherer
Ausführender/Ausführende: Jürgen Wuchner
Ausführender/Ausführende: Fritz Ozmec
Ausführender/Ausführende: Wolfgang Reisinger
Länge: 13:24 min
Label: Extraplatte EX 102

Komponist/Komponistin: Werner Pirchner
Gesamttitel: Deutsches Jazzfestival Frankfurt, 13. März 1988
Titel: Dur
Ausführende: Albert Mangelsdorff, Posaune
Ausführende: Werner Pirchner, Vibrafon
Ausführende: Robert Riegler, E-Bass
Länge: 07:33 min
Label: Manus

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