Ein altes Radio

AFP/ALBERTO PIZZOLI

Das Hörspiel des Jahres

Bei der Ö1 Hörspiel-Gala wurden die Macher/innen geehrt, heute ist es hier nachzuhören, jenes Hörspiel, das von Ö1 Hörer/innen zum "Hörspiel des Jahres" gekürt wurde: "Lass dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe". Von Josef Winkler. Mit Johannes Silberschneider und Oskar Kisela. Tongestaltung: Elmar Peinelt und Manuel Radinger. Musik: Christoph Theiler. Bearbeitung und Regie: Alice Elstner

"Warum hast du geschwiegen, warum hast du es wohl verschwiegen ... auf welchem Boden wir stehen?" fragt Josef Winkler in seinem Text seinen verstorbenen Vater. Erst spät, nach dem Tod des Vaters, erfährt Winkler, dass das Getreide für das tägliche Brot der Familie auf einem Feld des kleinen Dorfes im Kärntner Drautal, der Sautratten, angebaut wurde, in dem 1945 der Leichnam Odilo Globocniks verscharrt worden war. Globocnik hatte sich in den letzten Kriegstagen in Kärnten versteckt und als er entdeckt wurde, mit Zyankali Selbstmord begangen. Er war der Organisator und Leiter der sogenannten "Aktion Reinhardt", maßgeblich verantwortlich für die Ermordung von mehr als eineinhalb Millionen Juden und Roma in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 und bis zuletzt stolz darauf.

"Alle haben sie vom Brot aus den Sautratten gekostet und haben vom Brot aus den Sautratten gelebt, das aus dem Kadaver des Judenmassenmörders wuchs und haben dieses tägliche Brot gib uns heute weitergereicht in die nächste und übernächste Generation ...", schreibt Winkler in dem 2017 für das Burgtheater entstandenen Text, "Warum hast du geschwiegen, mein Tate, warum hast du es wohl verschwiegen, denn du mußt es gewußt haben, wie all die anderen im Dorf ...".

Service

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Sendereihe

Gestaltung

  • Kurt Reissnegger

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