Music Mausoleum

CLARA WILDBERGER

Neue Musik für den Max Brand Synthesizer von Dorian Concept und Zanshin

Elevate 2020. Music for Moogtonium von Dorian Concept und Zanshin
(Ausstrahlung in Surround Sound)

Viele Musikerinnen und Musiker hat dieses Instrument bereits in ihren Bann gezogen: In den 1950er-Jahren beauftragte der österreichische Komponist Max Brand, der als Jude 1938 vor den Nazis flüchten musste und zu jener Zeit in New York lebte, den damals noch jungen und heute legendären Ingenieur Bob Moog mit dem Bau eines genau auf seine individuellen Wünsche zugeschnittenen Synthesizers. Rund zehn Jahre sollte die Arbeit an diesem einzigartigen Instrument in Anspruch nehmen, das nicht nur seinen ganz eigenen Klang, sondern auch ein spezielles Interface hat: Neben zwei Klaviaturen und zusätzlichen Manualen zur Spannungssteuerung verfügt es auch über zwei Fußpedale. In den 1970er Jahren kehre Max Brand mit seinem Synthesizer, der heute schlicht als Max Brand Synthesizer bezeichnet wird, zurück nach Österreich.

Auf Einladung des Elevate Festivals haben nun Dorian Concept aka Oliver T. Johnson, ein ausgewiesener Meister an den diversen Tasten, und Zanshin aka Gregor Ladenhauf, der sich bereits seit vielen Jahren mit diesem besonderen Instrument beschäftigt, das Stück "Half Chance" für den Max Brand Synthesizer komponiert. Am 5. März feierte es im Grazer Mausoleum seine Uraufführung. Viele Male haben sich Zanshin und Dorian Concept in Langenzersdorf im Museum getroffen, hier ist der Max Brand Synthesizer nun untergebracht. Es wurde alles Mögliche ausprobiert, Schritt für Schritt entstand so die gemeinsame Komposition. Bei der Arbeit mit Synthesizern sei es generell so, dass Klänge oft Melodien beinhalten und Melodien Klänge, mit denen man dann weiterarbeiten möchte, erklärt Zanshin.

"Deswegen spreche ich auch oft von einer Ähnlichkeit zur Bildhauerei. Es geht immer um ein Herausschälen aus etwas, nicht nur in dem Sinn, dass man aus einem vollen Klangspektrum einen Teil herausarbeitet, oft ist es auch so, dass es während der Arbeit an einem Sound oder einer Melodie plötzlich Klick macht; etwas plötzlich so gut miteinander funktioniert, dass es fast so klingt, als hätte es immer so sein sollen."

Genau nach solchen Momenten haben Ladenhauf und Johnson während ihrer gemeinsamen Sessions gesucht. Diese galt es schließlich so miteinander zu verschränken, schildert Dorian Concept, dass dabei ein musikalischer Fluss entstehen konnte, wobei stets auch an die Umsetzbarkeit gedacht werden musste. "Jeder Sound hat eine gewisse Einstellung, gewisse Parameter, die Regler sind auf einen gewissen Wert eingestellt und für uns hat sich immer die Frage gestellt, wie kommt man von dieser Einstellung weiter. Es ist ein bisschen so wie beim Rubik's Cube, wo man sich wieder zum Grund Setting zurückdrehen muss, wenn man woanders hinkommen will. Das heißt, der kompositorische Prozess war sehr von diesem Weg geprägt; so modular, wie das Instrument selbst."

Gestaltung: Susanna Niedermayr

Service

Diese Sendung wird in Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, wenn Sie "Radio Ö1 live" auf ORF-SMART (HbbTV-Service) anwählen und über eine mehrkanalfähige Audioanlage anhören.

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