Toni Faber

APA/HERBERT NEUBAUER

Toni Faber über den Stephansdom

"Aus Asche erstanden" - Gedanken in der Karwoche von Toni Faber, Dompfarrer, Dechant und Domkapitular zu St. Stephan

Am Gründonnerstag gedenken Christinnen und Christen des letzten Abendmahles. Theologisch wird der Einsetzung des Sakramentes der Eucharistie gedacht. Vereinfacht heißt das: Jesus beauftragt seine Jünger mit der Feier der Heiligen Messe, so wie es durch die Jahrhunderte von Bischöfen und Priestern mit dem gläubigen Volk dann auch praktiziert und realisiert wurde.

Gleichzeitig verbindet er die liturgische Feier des Abendmahles unlösbar auch mit dem Dienst der Fußwaschung. "Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, was ich an euch getan habe!" Biblische Gedanken fragen uns: Wie kann jemand behaupten, er liebe Gott, den er ja nicht sieht, wenn er dem Bruder und der Schwester, die er sieht, nicht Erweise seiner tätigen Liebe schenkt?

Gemeinsam Gottesdienst zu feiern ist in diesen Tagen schwierig geworden. Kirchen und Religionsgemeinschaften versuchen über Internetseiten ihre Gemeinden zu betreuen mit gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten per Radio und Livestream. Heute werden in der abendlichen Liturgie in den Kirchen bei dem Gesang des "Glorias" die Kirchenglocken allerorts noch einmal laut geläutet, bevor sie dann bis zur Osternacht verstummen. Volkstümlich wird davon gesprochen, sie würden nach Rom fliegen. Für St. Stephan waren die Wochen der Fastenzeit überhaupt sehr glockenlos: Wurden die nach dem Krieg mit Metall-Jochen ausgestatteten Glocken unseres mächtigen Läutwerkes im Südturm doch wieder auf die Lebenszeit stärkeren und klangfreundlicheren Holz-Joche umgestellt. So können die Glocken auch weiterhin in den verschiedensten Klangstärken und Kombinationen Freud und Leid der Menschen begleiten. Oder einem ganz neuen Kalenderjahr eine anfänglich positive Grundstimmung verleihen, wie es das Klingen der Pummerin in Österreich jedes Jahr zu Silvester vermag. Meines Wissens wird in keinem anderen Land das neue Kalenderjahr von einer so prominenten Kirchenglocke eingeläutet, und jedes Schulkind lernt den klangmalerischen Namen der größten Glocke Österreichs und einer der allergrößten freischwingenden Glocken der Welt. Sie wird in meinen Augen zu Recht als die Stimme Österreichs bezeichnet, weil sie ein so starkes Symbol der Sorge um das Haus Gottes und der großen Verantwortung der Kirche für das Wohl der Menschen in diesem Land zum Ausdruck bringt.

Gestaltung: Alexandra Mantler

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Johann Sebastian Bach/1685 - 1750
Album: BACH: DIE VIOLINKONZERTE
* Adagio - 2.Satz (00:04:53)
Titel: Konzert für Violine und Orchester in E-Dur BWV 1042
Violinkonzert
Solist/Solistin: Gidon Kremer /Violine
Orchester: Academy of St.Martin in the Fields
Leitung: Gidon Kremer
Länge: 04:53 min
Label: Philips 4111082

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