Der Schatten einer Frau mit Maske an einer Hauswand.

APA/AFP/GABRIEL BOUYS

Alles auf Abstand?

Zu viel Nähe, zu viel Distanz und die Diagnose einer "berührungsarmen Gesellschaft". Gast: Dr. Beatrix Teichmann-Wirth, personenzentrierte Psychotherapeutin, klinische und Gesundheitspsychologin. Moderation: Barbara Zeithammer.
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79; E-Mails an punkteins(at)orf.at

Was passiert, wenn wir andere nicht mehr berühren dürfen und was, wenn wir den Körpern der anderen, und seinen es jene der eigenen Familie, kaum entkommen können? Wie wenig körperliche Nähe halten Beziehungen, Singles, Kranke aus? Und welche Folgen hat es, wenn Menschen die Berührung der Dinge um sie herum zunehmend als bedrohlich empfinden?

"In Zeiten von Corona" wird vielen Menschen bewusst, wie weit ein Meter ist, wie nah die anderen sind und wen und was sie eigentlich alles berühren. Viele kostet es Kraft, die Kommunikation des Körpers zu unterdrücken und jene Nähe nicht zu geben und nicht zu bekommen, die gerade in schwierigen Zeiten gebraucht wird, bzw. jene Nähe zu ertragen, der sie sich derzeit nicht entziehen können. Schon Aristoteles bemerkte, dass der Mensch ohne diese Sinneswahrnehmung nicht existieren kann und zugleich ist Körperkontakt das, was wir am meisten fürchten müssen - die Grenzüberschreitung, die Gewalt.

Seit einigen Jahren heißt es: "Wir leben in einer berührungsarmen Gesellschaft". Vor wenigen Tagen konnte man im deutschen Tagesspiegel und in anderen Medien in ähnlicher Form lesen: "Trotz sozialer, politischer und auch psychologischer Unterschiede sind wir letztlich alle in einer Krise der Berührung - die schon vor Corona begonnen hat." Die attestierte "chronische Berührungsarmut" betrifft die heilsame, körperliche Nähe in der Pflege genauso wie unser Verhältnis zu den Dingen: Kontaktlosigkeit ist das Gebot der letzten Jahre. Immer mehr Technik reagiert auf Zuruf oder Winken, während andererseits die Finger immer länger über Touchscreens streichen.

Zu viel Nähe, zu viel Distanz und alles dazwischen zählt zum Berufsalltag der personenzentrierten Psychotherapeutin und Psychologin Beatrix Teichmann-Wirth, die auch als Trauma- und Körpertherapeutin arbeitet. In ihren Seminaren macht sie Übungen zur Erkundung der eigenen Körpergrenze; in ihrer Praxis tröstet sie ihre Klientinnen und Klienten derzeit mit einer "Geste der Umarmung". Im Gespräch mit Barbara Zeithammer macht sie sich Gedanken über das individuelle wie gesellschaftliche Bewusstsein für Nähe, die unterschiedlichen Formen von Distanz und den Wert von gewollter Berührung - nicht nur "in Zeiten von Corona".

Die Hörerinnen und Hörer von Punkt eins sind wie immer herzlich eingeladen, sich mit Ihren Fragen und Gedanken zum Thema an der Diskussion zu beteiligen: unter 0800 22 69 79 während der Sendung und kostenfrei aus ganz Österreich, oder schreiben Sie uns an punkteins(at)orf.at

Service

Links:

Therapiezentrum Gersthof - Portrait Beatrix Teichmann-Wirth
Homepage Krebscoaching

Sendereihe

Übersicht

Playlist

Urheber/Urheberin: Gordon Sumner
Titel: Don't Stand So Close to Me
Ausführender/Ausführende: Sting
Länge: 02:14 min
Label: EMI

Urheber/Urheberin: Margaret Whiting
Titel: Come a Little Closer
Ausführender/Ausführende: Margaret Whiting
Länge: 02:24 min
Label: Universal (Jazz)

Urheber/Urheberin: Gordon Sumner
Titel: Don't Stand So Close to Me
Ausführender/Ausführende: The Police
Länge: 02:21 min
Label: EMI

Urheber/Urheberin: Lovisa Jennervall
Titel: Come Closer
Ausführender/Ausführende: Lovisa Jennervall Quartet
Länge: 04:12 min
Label: Emarcy

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