Ein Waldrapp

DPA/FREDRIK VON ERICHSEN

Wundersame Waldrappe

Langer Schnabel, kahler Kopf.
Die Biologin Verena Pühringer-Sturmayr spricht über den Waldrapp.
Dieser Vogel lebte vor mehr als 300 Jahren in Mitteleuropa und soll hier wieder angesiedelt werden.
Teil 4: Wissenschaftliche Distanz
Getaltung: Lothar Bodingbauer

Die letzte Möglichkeit, den Waldrapp in Österreich in freier Wildbahn zu sehen, war vor mehr als 300 Jahren. Der etwa rabengroße Vogel, schwarz, schillernd, kahl am Kopf, mit langem rotem Schnabel, ist seither ausgestorben. Aber in Marokko gibt es eine Gruppe von 700 Individuen, denen es gut geht, wenn ihre Lebensbedingungen geschützt, geschätzt und gepflegt werden. Waldrappe leben gerne in Gruppen, sie sind äußerst sozial, durchaus scheu, sie lieben Wiesen und sind - nicht wie der Name vermuten ließe - weniger im Wald zu finden, als in der Steppe. Wenn Waldrappe nass werden, werden sie zur Beute für Greifvögel, denn ihr Gefieder hat keine wasserabweisenden Fähigkeiten.
In Österreich sind Waldrappe schon heute im Cumberland Wildpark in Grünau im Almtal zu beobachten. Eine wissenschaftliche Gruppe an der dort angesiedelten Konrad Lorenz Forschungsstelle für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien erforscht ihre Lebensweise, ihr soziales Verhalten samt einer durchaus seltsam anmutenden Art, mit drei verschiedenen Arten von Lautäußerungen zu kommunizieren. Das "Huch" etwa - und es klingt bei Waldrappen genauso, wie man es schreibt, verwenden die Vögel, wenn sie interessante Partner/innen treffen, aber auch wenn Gefahr droht. Hier gilt es also fein zu unterscheiden.
Wer Waldrappe in Österreich wieder ansiedeln will, muss sich auch darum kümmern, dass die Tiere im Winter verlässlich in den Süden fliegen. Da sie das nicht können, wenn sie aus Marokko stammen, muss man es ihnen beibringen. Das Waldrappteam fliegt mit Leichtflugzeugen voraus, ruft "Waldies, kommt" und so geht es gemeinsam nach Italien - mit Pausen. Einmal die Route gelernt, können die Vögel dann selbst zurückfliegen und den Kurs an zukünftige Generationen weitergeben.

Service

GESPRÄCHSPARTNERIN:

Verena Pühringer-Sturmayr, MSc
Konrad Lorenz Forschungsstelle für Verhaltens- und Kognitionsbiologe der Universität Wien
A-4645 Grünau im Almtal

LINKS:

Waldrapp-Forschung
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