Tanja Maljartschuk

APA/HERBERT NEUBAUER

Tanja Maljartschuk über ihre Erinnerungen an die Ukraine

"Spuren und Erinnerungen" von Tanja Maljartschuk, Schriftstellerin

"Es gibt Städte, in denen es nach Sauerkraut riecht, dagegen hilft kein Barock." So schreibt Josef Roth Anfang des 20. Jahrhunderts in einer seiner Reportagen über Galizien.

Am Ende dieses Jahrhunderts riecht es in unserer Küche nach Roten Rüben, die beim Kochen verbrannt sind, weil meine Mutter mehrere Jobs gleichzeitig erledigt, nicht immer mit Erfolg. Nach Sauerkraut riecht es selbstverständlich auch. Um mich von jenen widerlichen Küchengerüchen abzulenken, hole ich regelmäßig eine kleine Packung Earl-Grey-Tee aus dem Schrank heraus und atme den herrlichen Duft von Bergamotte ein. Nichts in der Welt riecht für mich besser.

Vielleicht nur Fliederbüsche auf einem alten Friedhof im Dorf meiner Großeltern. Dort schlendere ich stunden- und tagelang herum und entziffere die Namen der Begrabenen. Sie wurden nicht in Kyrillisch geschrieben, sondern in einer Sprache, die ich noch nicht kenne, womöglich Polnisch. Keiner in der Umgebung kümmert sich um die Gräber, Familiengrüfte wurden aufgebrochen und ausgeplündert, ich sehe Knochen durch schmale Löcher.

Vor dem Zweiten Weltkrieg haben hier Ukrainer, Polen und Juden in gleicher Zahl gelebt. Dieses Dreieck der Kulturen verwandelt sich bald in eine gerade, in der Leere schwankende Linie. Als die Sowjetunion zerfällt, kommen viele Busse aus Polen mit Menschen, deren Eltern von hier nach Schlesien vertrieben worden sind. Sie knien sich in der fast zerfallenen katholischen Kirche nieder und weinen, und ich bekomme Süßigkeiten. Ich würde gerne in Polen leben und verstehe diese Tränen nicht.

Von den Juden wiederum bleibt im Dorf keine Spur und keine Erinnerung mehr. Es kommen keine Busse mit Besuchern. Jüdische Grabsteine wurden für das Fundament des hiesigen Kulturhauses verwendet. Mit 14 tanze ich dort ahnungslos. Der hölzerne Boden knarrt unter meinen Füßen.

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Urheber/Urheberin: Traditional
Urheber/Urheberin: Ukraine
Bearbeiter/Bearbeiterin: Joel Rubin /Arrangement
Urheber/Urheberin: Moyshe Beregovski /< Musiksammlung >/1892 - 1961
Album: BEREGOVSKI'S KHASENE - VERGESSENE INSTR. SCHÄTZE AUS DER UKRAINE
Titel: Taksim (Improvisation)/instr.
Ausführende: Joel Rubin Jewish Music Ensemble
Ausführender/Ausführende: Joel Rubin /Klarinette
Ausführender/Ausführende: Kalman Balogh /Zymbal
Ausführender/Ausführende: Claudio Jacomucci /Akkordeon
Ausführender/Ausführende: Ferenc Kovacs /Trompete
Ausführender/Ausführende: Laszlo Major /Violine
Ausführender/Ausführende: Csaba Novak /Bass
Länge: 07:35 min
Label: Schott Wergo Music SM 16142 /

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