Max Weber

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Radiokolleg - Entzauberer der Welt

Zum 100. Todestag von Max Weber (1).
Gestaltung: Günter Kaindlstorfer

Vor 100 Jahren, am 14. Juni 1920, starb einer der einflussreichsten Sozialwissenschafter aller Zeiten - an der Spanischen Grippe: Max Weber, Monumental-Theoretiker der bürgerlichen Soziologie und Ahnvater der "wertfreien Wissenschaft".

An Webers Theorie der Moderne kommen Studierende der Sozialwissenschaften bis heute nicht vorbei. Die Entzauberung der Welt durch die moderne Rationalität, die Geburt des Kapitalismus aus dem Geist der puritanischen Ethik, die strikte Trennung von Gesinnungs- und Verantwortungs-Ethik - all das sind Webersche Topoi, die Eingang in den intellektuellen Alltagsdiskurs gefunden haben.

Die Bedeutung Max Webers in der soziologischen Debatte nimmt auch 100 Jahre nach seinem Tod immer noch zu. Die Zahl der Schriften, die weltweit über den deutschen Meisterdenker publiziert werden, geht Jahr für Jahr in die tausende. Eine der wichtigsten Neuerscheinungen im Weber-Jahr 2020: eine 480-seitige "Weber-Spurensuche", die Hans-Peter Müller, Soziologie-Professor an der Berliner Humboldt-Universität, soeben im Suhrkamp-Verlag herausgebracht hat.

Zunehmend gerät aber auch der MENSCH Max Weber in den Fokus der Aufmerksamkeit. Vor einiger Zeit sind gleich zwei profunde Biographien des großen Gesellschaftswissenschaftlers erschienen: Der Marburger Soziologe Dirk Kaesler hat Weber eine 1.000-seitige, der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube eine immerhin 500-seitige Lebensbeschreibung gewidmet. Wie schon in Joachim Radkaus 2005 erschienener Max-Weber-Monographie erscheint der wilhelminische Modernist auch in den Studien von Kaesler und Kaube als innerlich zerrissener Charakter, der brillante Intellektualität mit einem zerquälten und aufbrausenden Naturell verbunden hat.

Max Weber, das war nicht nur ein messerscharfer Analytiker der "entzauberten Welt", sondern auch ein sexuell verklemmter Bourgeois, ein hypernervöser Choleriker mit manisch-depressiven Zügen. Seine prometheischen Einsichten in die Verfasstheiten der Moderne musste Weber einer prekären psychischen Disposition abringen.

Prominente Soziologinnen und Gesellschaftswissenschafter/innen wie Hans-Peter Müller, Dirk Kaesler, Jürgen Kaube, M. Rainer Lepsius, Steffen Sigmund und Irene Etzersdorfer erörtern in diesem "Radiokolleg" die Bedeutung des Weberschen Denkens für das 21. Jahrhundert.

Service

Hans-Peter Müller: Max Weber - Eine Spurensuche (Suhrkamp).

Dirk Kaesler: Max Weber - Eine Biographie (C.H. Beck).

Jürgen Kaube: Max Weber - Ein Leben zwischen den Epochen (Rowohlt).


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