Menschen unterwegs beim Hamstern

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"Hamstern"

Alltägliche Versorgung in Krisenzeiten. Mit Ernst Langthaler, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz und Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die "Corona-Krise" führte gleich zu Beginn zu einem Phänomen, das als "Hamstern" bezeichnet wird: das Einkaufen von großen Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus Angst vor einem bevorstehenden Mangel. Diese Gefahr bestand hierzulande real nicht, doch sind "Panikkäufe" psychologisch verständlich.

Die ältere Generation und deren Eltern machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch Erfahrung mit dem überlebensnotwendigen "Hamstern".
In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten litten weite Teile der Bevölkerung in Österreich und Europa unter Nahrungsmittelknappheit, viele hungerten. Vor allem die Stadtbevölkerung war gezwungen, aufs Land zu fahren und bei den Bauern ihr Hab und Gut gegen Nahrung einzutauschen.

Neben dem "Hamstern" der Armen, gab es auch das "Hamstern" der Wohlhabenden, die reichlich Vorräte anlegten. Die "Hamsterwirtschaft" in Krisenzeiten wurde rasch zu einem Politikum ersten Ranges. So organisierten die Nationalsozialisten angesichts des Versorgungschaos' im Ersten Weltkrieg gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die staatliche Bewirtschaftung der Lebensmittel - freilich unter Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Eine historische Betrachtung eines Begriffs, der bereits im 19. Jahrhundert parallel zur sich entwickelnden Konsumgesellschaft entstand und bis heute unterschiedliche Phänomene bezeichnet.

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