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Radiogeschichten
"Man kann nicht aufhören zu erinnern"
Literarische Reise - Österreich: "Die Flussufer von früher" von Peter Rosei. Es liest Michael Dangl.
24. Juni 2020, 11:05
Diese Erzählung kommt auf leisen Sohlen daher. Peter Rosei beschreibt den Ort Haslach am Rand des Hollabrunner Beckens: "Hinter dem Haus, wo wir wohnten, war ein Wäldchen aus Nussbäumen, das ohne Trennlinie in eine Akazienwaldung überging. Sommers saßen wir im grünen Schatten der Nussbäume und redeten."
In ihrem späteren Verlauf entpuppt sich die kleine Geschichte als eine Abhandlung über das Erinnern, über das Funktionieren des menschlichen Geistes an sich. Mit der Wehmut über den Verlust des Erinnerten kommt der Schmerz über die Möglichkeit des Erinnerungsverlustes: "Man kann nicht aufhören zu erinnern. Jedes Bild ruft ein anderes hervor. Ist einmal Finsternis, beginnt sie gleich an den Rändern zu glosen."
Peter Rosei wurde 1946 in Wien geboren, er schlug zunächst den Berufsweg des Juristen ein. Rosei veröffentlichte seit den 70er Jahren ein umfangreiches Werk: Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte. Der Autor erhielt zahlreiche renommierte Auszeichnungen, unter anderen den Franz-Kafka-Preis, den Großen Preis der Stadt Wien und den Anton-Wildgans-Preis.
Gestaltung: Edith-Ulla Gasser
Präsentation: Nicole Dietrich
Service
Aus: Peter Rosei, "Die sogenannte Unsterblichkeit". Sonderzahl Verlag