Menschen gehen gemeinsam über einen grünen Teppich.

AFP/TORU YAMANAKA

Die Psychologie des Gehens

Warum Gehen die natürlichste Sache der Welt ist und uns trotzdem oft schwerfällt.
Gast: Prof. Dr. Ralf Risser, Verkehrspsychologe, Universität Olmütz und Dozent für Verkehrssoziologie an der Universität Wien.
Moderation: Andreas Obrecht.
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Seit Prähominiden vor rund drei Millionen Jahren ihr Habitat in den Baumkronen Afrikas verlassen haben, ist das Gehen die bevorzugte Fortbewegungsart unserer Spezies. Aufrecht auf zwei Beinen den Blick in Weite schweifen lassen, gehend und laufend große Distanzen zurücklegen und dabei stets den Überblick bewahren - der evolutionäre Vorteil des aufrechten Ganges hat uns Menschen zu dominanten Natureroberern gemacht.

Nach Jahrtausenden des Gehens und schließlich der Nutzung tierischer Kraft für menschliche Fortbewegung haben sich seit der Hochblüte der Industriellen Revolution immer stärker motorisierte Formen der Mobilität verbreitet, die heute, vor allem auch aufgrund ihrer klimafeindlichen Auswirkungen, zusehends in Frage gestellt werden. Im 20. Jahrhundert sind Städte nicht um gehende Menschen, sondern um fahrende Autos herumgebaut worden, und auch öffentliche Verkehrsmittel verfolgen den Zweck, uns Menschen den Einsatz von Muskelkraft für die Fortbewegung bestmöglich zu ersparen.

Die junge Disziplin der Psychologie des Gehens setzt sich mit der grundsätzlichen Frage auseinander, was uns eigentlich vom Gehen abhält, warum wir welche Umwelten als angenehm oder gehfeindlich empfinden, welche Faktoren für Verhaltensänderungen im Mobilitätsbereich tatsächlich ausschlaggebend sind, welche emotionalen Erfahrungen mit dem Gehen verbunden werden und wie politische Entscheidungsträger für eine Wiederentdeckung des bewussten Gehens - und auch Flanierens - gewonnen werden können.

Ralf Risser ist Verkehrspsychologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Psychologie des Gehens. In einem renommierten britischen Verlag erscheint demnächst sein Buch "Psychological Perspectives of Walking", das Möglichkeiten und Grenzen einer neuen Kultur des Gehens auslotet. Ralf Risser ist zu Gast bei Andreas Obrecht.

Punkt eins freut sich über Ihre Beteiligung an dem Gespräch unter punkteins(at)orf.at oder unter der Telefonnummer 0800 22 69 79 während der Sendung - und kostenlos aus ganz Österreich.

In welchen Situationen, in welchen Umwelten ist für Sie das Gehen längerer Strecken angenehm oder eine Belastung? Wie sollten Städte der Zukunft gestaltet sein, um dem Gehen wieder mehr Platz einzuräumen? Stimmt es, dass Fußgänger keine Lobby haben, und wenn ja - wie könnte diese aussehen? Was verbinden Sie persönlich mit der oft kolportierten Feststellung, dass Menschen in Industrieländern viel zu selten ausgiebig gehen?

Service

Buch:

Ralf Risser/Matus Sucha (2020): Psychological Perspectives on Walking. Interventions for Achieving Change. Routledge, London, New York (Erscheinungstermin Herbst 2020)

Sendereihe

Playlist

Urheber/Urheberin: Tony Grey
Titel: Walking In, Walking Out
Ausführender/Ausführende:
Tony Grey
Länge: 07:20 min
Label: abstract logix

Urheber/Urheberin: Lou Donaldson
Titel: Blues Walk
Ausführender/Ausführende:
Lou Donaldson
Länge: 06:43 min
Label: Universal/Jazz

Urheber/Urheberin: J. PERRY, S. TYLER
Titel: Walk this Way
Ausführender/Ausführende:
Jazzkantine
Länge: 05:00 min
Label: Universal

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