"Black lives"-Schriftzug auf einer Mauer

AP/CHRIS PIZZELLO

Die blinden Flecken der Medien

Die Corona-Krise und die #BlackLivesMatter-Bewegung haben etwas gemeinsam. Sie zeigen sehr deutlich auf, wo die Medien ihre blinden Flecken haben. Wie bei uns, ausgehend von der Polizeigewalt und den Protesten dagegen in den USA, über Alltagsrassismus diskutiert wird - und vor allem auch wer diskutiert, das sagt viel über die Verfasstheit der Redaktionen aus. Diversität ist ein schönes Schlagwort, aber meist nicht viel mehr.
Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Wenn ein Schwarzer interviewt

Das Interview in der "ZIB Nacht" hat in den sozialen Netzwerken positiven Anklang gefunden: Ein schwarzer Journalist interviewt einen schwarzen Aktivisten. Das ist immer noch ein seltenes Bild im österreichischen Fernsehen, und Moderator Stefan Lenglinger findet: zu selten. "Wenn so eine Konstellation im Studio eine Art Phänomen-Charakter hat, dann zeigt sich, dass in puncto Diversität nicht sehr viel erreicht worden ist", sagt Lenglinger. Der Journalismus würde durch neue Zugänge gewinnen, sind die Verfechter der Diversität überzeugt. Aktuelles Beispiel: ein Interview in der "Kronen Zeitung", in dem eine junge Journalistin mit Migrationshintergrund der ÖVP-Integrationsministerin sehr gute und entlarvende Fragen gestellt hat.


Männer sind die Experten der Krise

In der Corona-Zeit ist aufgefallen: Die Krise wurde von Männern erklärt. Obwohl rasch klar war, dass besonders viele Frauen negativ von den Folgen betroffen sind, weil sie Job und Kinder schupfen müssen oder ohnehin schon in unsicheren Jobs arbeiten. Doch als Experten waren meist Männer am Wort, auch die Ministerinnen hatten viel weniger Berichterstattung als ihre männlichen Kollegen, das belegen nun einige Analysen aus Österreich und Deutschland. So überwiegt die männliche Sicht auf die Dinge, gleichzeitig fehlt den Frauen die Chance, sich in der Krise zu profilieren. Nicht zuletzt befürchten Journalistinnen einen Rückschritt in ihrer Karriere, besonders das Home Office könnte sich als Falle erweisen.


Der ORF als trauriger Corona-Held

Die Corona-Krise hinterlässt auch im ORF tiefe Spuren. Die Vorsorgemaßnahmen im Haus und die intensive Berichterstattung über das Virus haben enorme Kosten verursacht, das muss alles wieder hereingeholt werden. Das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen hatte im Zuge der Corona-Krise schwierige Gratwanderungen zu bewältigen, das positive Feedback hat bei weitem überwogen. Der Dank dafür ist jetzt ein Riesen-Sparpaket von 75 Millionen Euro, um die krisen-bedingten Mehrkosten bewältigen zu können und 2021 wieder ausgeglichen zu bilanzieren. Die Geschäftsführung hat das angekündigt. Der Stiftungsrat befürwortet das, Vertreter der Grünen in diesem Aufsichtsgremium des ORF warnen aber vor einem Kaputtsparen von Redaktionen, die zum Teil jetzt schon am Limit sind.


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