Gustav Mahler

ÖNB

Mirjam Jessa über Gustav Mahler

"Von Heimatlosigkeit und Erlösung". Anlässlich des 160. Geburtstages von Gustav Mahler erzählt die Journalistin und Ö1-Moderatorin Mirjam Jessa, wie der Komponist ihr Leben begleitet

An meine erste Radiosendung kann ich mich nicht erinnern. Aber ich kann mich ganz genau erinnern, wie ich als 16-Jährige zum ersten Mal öffentlich über Gustav Mahler gesprochen habe. Ich seh' sogar noch den karierten DinA4-Block, auf dem ich mit einem feinen schwarzen Filzstift mein einstündiges Referat geschrieben habe.

Es war Sommer und während ich schon daran arbeitete, entdeckte ich, dass ich es genau einen Monat vor seinem Geburtstag halten würde. Erst hatte ich Sorge, die Schulstunde nicht füllen zu können, dann habe ich kaum gewusst, wo und wie kürzen, am liebsten hätte ich den ganzen Vormittag lang erzählt von "meinem" Gustav Mahler, dessen Musik mir damals schon seit ein paar Jahren half zu leben, neben Büchern, Natur und - Gustav Mahler würde hier vielleicht auch formulieren - "dem lieben Gott".

Wie im vierten Satz seiner 2. Symphonie, wo erstmals in einer Mahlersymphonie eine menschliche Stimme singt - und zwar ein schlichtes Wunderhorn-Lied. Es ist die Stimme des naiven Glaubens einer Seele, einer Seele, die sich ihrer Abstammung von Gott gewahr wird und wieder zu ihm zurück will. Sie singt: "Da kam ich auf einen breiten Weg. Da kam ein Engelein und wollt mich abweisen."

Wie liebevoll Mahler die Szene der Seele schildert, die Solovioline spielt am Wegesrand auf, um der suchenden Seele Mut zu machen, nachdem das Englein mit einem Glissando nach unten die Seele bedauernd abgewiesen hat. Aber die Seele sagt: "Ach nein! Ich ließ mich nicht abweisen! Ich bin von Gott, und will wieder zu Gott! Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben, wird leuchten mir bis in das ewig selig Leben!"

Mahler - das wissen wir vom Mahler-Vertrauten, dem bedeutenden Bühnenbildner Alfred Roller - war zwar zutiefst religiös, aber nicht im Sinne der christlichen oder irgendeiner anderen Religion. Er war gläubig. Deshalb hat er auch nie eine Messe komponiert. Sein Glaube, so Roller, war der eines Kindes: "Gott ist die Liebe und die Liebe ist Gott."

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Gustav Mahler/1860 - 1911
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Traditional /aus "Des Knaben Wunderhorn" (cut 1)
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Friedrich Gottlieb Klopstock /(cut 2)/1724 - 1803
Titel: Symphonie Nr.2 c-Moll für Sopran, Alt, Chor und Orchester "Auferstehung" (1.-3.Satz, 4.u.5.Satz auf CS05/123/2)
* "Urlicht". Sehr feierlich, aber schlicht / 4.Satz
Textanfang: O Röschen rot
Sinfonie
Orchester: Wiener Philharmoniker
Leitung: Lorin Maazel
Solist/Solistin: Jessye Norman /Alt
Solist/Solistin: Eva Marton /Sopran
Chor: Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor /Gesang
Länge: 05:02 min
Label: Sony Classical S2K 38667

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