Drei Männer, der Krieg und Unverheiltes

"Das Paradies meines Nachbarn". Von Nava Ebrahimi. Es liest Martin Brachvogel.

"Sollte es so sein, dass jeder sein Paradies selbst gestalten durfte?" Diese Frage lässt Nava Ebrahimi den Protagonisten ihres neuen Romans auf dessen Weg an die iran-irakische Frontlinie durch den Kopf gehen. Damals war dieser Ali-Najjar 14, konnte nach Deutschland flüchten, wo er seit Jahren als höchst erfolgreicher Produktdesigner die Trends vorgibt. Doch die Vergangenheit holt ihn ein. Er reist nach Dubai, wo ein Brief seiner Mutter und die Konfrontation mit seinem früheren Leben auf ihn warten.

Nava Ebrahimi, in Graz lebende deutsche Autorin mit iranischen Wurzeln, führt uns auch in ihrem zweiten Roman in ihr Herkunftsland, das bis heute gebeutelt ist. Und sie lenkt gleichzeitig den Blick auf die Nachkommen von Exil-Iraner/innen, wie auch sie eine ist, thematisiert die Gespaltenheit zwischen zwei Kulturen, Identitätssuche oder Sehnsucht nach Anerkennung.

Geboren 1978 in Teherin, studierte Nava Ebrahimi Journalismus und Volkswirtschaftslehre in Köln, schrieb u.a. für die Financial Times, veröffentlichte in Anthologien und erhielt für ihr Roman-Debüt "Sechzehn Wörter" 2017 den Österreichischen Buchpreis. 2019 wurde die Autorin mit dem Morgenstern-Literaturpreis ausgezeichnet.

Gestaltung: Ilse Amenitsch

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Nava Ebrahimi, "Das Paradies meines Nachbarn", btb Verlag, 2020

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