Daniela Dahn

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Daniela Dahn, Journalistin und Schriftstellerin

"Volkseigentum plus Demokratie. Das war das, was wir noch nie hatten, und was auszuprobieren wir nun wirklich neugierig waren." - Renata Schmidtkunz im Gespräch mit Daniela Dahn, Journalistin und Schriftstellerin (Erstausstrahlung am 24. Oktober 2019)

Am 3.Oktober 1990 endete die Deutsche Demokratische Republik durch den Beitritt zur BRD. Für die Bürgerinnen und Bürger der DDR änderte sich damit von heute auf morgen ihr ganzes Leben. Viele wurden zu Menschen zweiter Klasse degradiert, verloren ihre Arbeitsplätze und ihr soziales Gefüge oder konnten mit den neuen, kapitalistischen Zeiten nicht zurechtkommen.

Die Journalistin Daniela Dahn schreibt seit den frühen 1990er-Jahren die Geschichte des Ostens Deutschlands nieder. Geboren wurde sie 1949 in Ostberlin. Ihr Vater war der renommierte DDR-Wirtschaftsjournalist Karl-Heinz Gerstner, die Mutter die jüdische Kostümbildnerin und Malerin Sibylle Boden, die 1956 die DDR Frauenzeitschrift "Sybille" ins Leben rief. Nach dem Studium der Journalistik in Leipzig arbeitete Daniela Dahn für das Fernsehen, verließ es 1981 aber, um freie Schriftstellerin zu werden. Neben zahlreichen Artikeln, Hörspielen und Filmen sind bisher zwölf Bücher von ihr erschienen. Acht davon befassen sich mit der deutschen Einheit und deren Folgen.

Dahn bilanziert, dass von der Einigung Deutschlands nur einige wenige profitierten. Die meisten Bürger - egal, ob aus dem Westen oder Osten - bezahlen bis heute einen hohen Preis. Das Motto "Märkte schaffen ohne Waffen" kann vielleicht als Sinnbild einer geschaffenen Währungsunion gesehen werden, nicht aber als eines der materiellen oder mentalen Gleichstellung der Menschen der wiedervereinten Nation. Obwohl Dahn seit 1972 Mitglied der autoritären SED-Partei war, zählte sie 1989 unter anderem neben Rainer Eppelmann zu den Mitbegründer/innen der Bürgerbewegung "Demokratischer Aufbruch".

Im Gespräch mit Renata Schmidtkunz stellt Daniela Dahn die These ihres jüngst erschienenen Buches "Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute" vor. Laut Dahn ist 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer der Sozialismus nicht nur aus Europa, sondern aus der gesamten Welt verschwunden. Und mit ihm der Antifaschismus.

Service

Daniela Dahn, "Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute: Die Einheit - eine Abrechnung, Rowohlt Verlag, Hamburg, 2019

Daniela Dahn, "Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt", Rowohlt Verlag, Hamburg, 2013

Daniela Dahn, "Wehe dem Sieger! Ohne Osten kein Westen", Rowohlt Verlag, Hamburg, 2009

Daniela Dahn, "Wir bleiben hier oder Wem gehört der Osten", politisches Sachbuch, Reinbek, 1994

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