Piratenflagge

APA/AFP/HAZEM BADER

Radiokolleg - Seeräuber und Netzpiraten

Beutezüge einst und jetzt (2). Gestaltung: Andreas und Caroline Wolf

Auf der Schulter ein Papagei, ein Holzbein, ein mit einer schwarzen Binde verbundenes Auge und eine schwarze Totenkopfflagge. Das sind die wichtigsten Ingredienzien für einen Piratenfilm. Gedreht wurden die ersten Seeräuber-Streifen bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts.
Viele unserer Piraten Stereotype gehen auf den 1881 von Robert Louis Stevenson veröffentlichten Roman "Die Schatzinsel" zurück.

Egal ob in der Karibik, im Mittelmeer, oder entlang der Inselwelt Indonesiens, fast immer griffen, und greifen Piraten auch heute noch, in unübersichtlichen Küstenregionen an. Das Ziel ist schneller Reichtum, sei es durch Lösegelderpressung oder durch den Raub von Wertgegenständen. Dass dies oft mit bestialischer Gewalt geschieht, wird häufig ausgeblendet, denn im Film werden Piraten meist als Freiheitskämpfer dargestellt. Und tatsächlich herrschten auf Seeräuberschiffen, zum Teil, egalitär-demokratische Strukturen. So waren Piraten-Kapitäne ihren Mannschaften gegenüber gleichgestellt. Auch bei der Aufteilung der Beute gab es keine Vorrechte. Nur während des Kampfes durfte der Kapitän seine Männer anführen.

Von diesem freiheitsliebenden Piratenbild leiten sich zahlreiche moderne Aspekte der Piraterie ab, wie zum Beispiel Radiopiraten, Telefonpiraten oder die "Piratenpartei". Deren Name bezog sich, ganz bewusst, auf die negative Konnotation des Begriffes durch die Film- und Musikindustrie.
Das Ziel der Bewegung war eine neue, positive Interpretation von "Pirat". Mit dieser Strategie war die Partei am Beginn der 2010er-Jahre in mehreren europäischen Ländern überraschend erfolgreich.

Unter Netzpiraterie hingegen verstand man um die Jahrtausendwende ein Sammelsurium von illegalen Aktivitäten im Internet. Diese reichten von Hacken und Raubkopieren über Virenprogrammieren bis hin zur Cyber-Kriminalität.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Szene aber nachhaltig verändert. Menschen, die sich illegal Filme oder Musik downloaden, sind deutlich weniger geworden. Explodiert ist hingegen die Internet- und Computerkriminalität, die von Erpressung und Betrug über Datendiebstal bis hin zum Cyber-Terrorismus reicht.

Eine andere Form der modernen Piraterie ist die "Produktpiraterie". Sie ignoriert die Rechte auf geistiges Eigentum. 2019 waren 3,3 Prozent aller weltweit gehandelten Güter Fälschungen. Das entsprach einem Gesamtwert von 509 Milliarden US-Dollar. Mit 6,8% aller Waren lag dieser Wert in der EU sogar noch deutlich höher - Tendenz stark steigend.

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