Eine Skulptur eines Wüstenluchses und eines Hahnes.

KUNSTHISTORISCHES MUSEUM

"Ex Oriente Lux" - das Licht aus dem Morgenland

Vom Sehnsuchtsort zum Krisenherd. Österreichische Beziehungen zum Orient
Gäste: Univ.- Prof. Dr. Stephan Procházka, Institut für Orientalistik an der Universität Wien; Prof. Heinz Nußbaumer, Herausgeber und Kolumnist der Zeitschrift "Die Furche"
Moderation: Andreas Obrecht
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79, E-Mails an punkteins(at)orf.at

Die europäische Aufklärung wäre undenkbar gewesen ohne die Neuinterpretation der antiken Philosophie - die großteils über arabische Übersetzungen erhalten blieb - und ohne die intensive Beschäftigung mit dem Orient, bis hin zum fernen China. Als 1886 das Orientalische Institut an der Universität Wien gegründet wurde, blickte die österreichische Orientforschung schon auf eine lange Tradition zurück, die wesentlich durch den dreißig Jahre zuvor verstorbenen Diplomaten und Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall begründet wurde. Er übersetzte auch orientalische Literatur und sein Leben wurde selbst Thema unterschiedlichster Darstellungen - zuletzt in dem 2019 erschienenen Roman "Der Hammer" von Dirk Stermann.

1958 wurde die Österreichische-Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall gegründet, um die kulturellen Beziehungen zum Vorderen Orient zu pflegen. Eine Vielzahl von Aktivitäten - von Vorträgen, über Exkursionen und die Betreuung von Studierenden aus dem arabischen Raum bis hin zur Vermittlung unterschiedlichster orientalischer Sprachen und vieles mehr - charakterisierte das breite Wirkungsfeld der Gesellschaft. Unlängst musste die Gesellschaft ihre Pforten schließen, wofür es zahlreiche Gründe gibt, darunter auch fundamentale Veränderungen in der wissenschaftlichen Kommunikation.

War der Orient jahrhundertelang Europa kulturell und technologisch überlegen und für viele gebildete Menschen ein exotischer Sehnsuchtsort, so hat sich das Bild grundsätzlich gewandelt. Heute werden auf den Orient düstere Szenarien projiziert - von dem vielerorts gescheiterten Arabischen Frühling über die neuen kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien, verbunden mit den nach Europa strömenden Migrationswellen, bis hin zu dem seit Jahrzehnten ungelösten und sich zuspitzenden Nahost-Konflikt zwischen Israel und den besetzten Palästinensischen Gebieten.

Wie haben sich die österreichischen Beziehungen zum Orient, wie haben sich auch die wissenschaftlichen Betrachtungsweisen im Wandel der Zeit verändert? Ist es heute überhaupt noch zulässig, vom "Orient" zu sprechen? Welche Bedeutung hatte Wien als Zentrum der Orientalistik im ausgehenden 19. Jahrhundert? In welcher Weise hat sich das Verhältnis der österreichischen Politik und Diplomatie zur Arabischen Welt verändert? Welche beidseitigen Bilder und Feindbilder sind unverändert geblieben, welche neuen hinzugekommen?

Heinz Nußbaumer, seit 2003 Herausgeber und Kolumnist der Wochenzeitschrift "Die Furche" hat viele Jahrzehnte lang als Journalist, und von 1990 bis 1999 als Pressechef der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei Erfahrungen in orientalischen Gesellschaften gesammelt. Stephan Procházka ist seit 2006 Professor für Arabistik am Institut für Orientalistik der Universität Wien und beschäftigt sich u.a. mit Dialektologie, der Volksreligiosität im Islam und der Alltagskultur in der Arabischen Welt. Stephan Procházka, der ehemalige Präsident, und Heinz Nußbaumer, der ehemalige Vizepräsident der Österreichischen-Orient Gesellschaft Hammer-Purgstall sind zu Gast bei Andreas Obrecht.

Wie immer freut sich das Punkt-Eins-Team über die Beteiligung der Hörerinnen und Hörer an der Diskussion unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 22 69 79 oder per E-Mail an punkteins@orf.at.

Sendereihe

Playlist

Urheber/Urheberin: Claude Debussy
Titel: String Quartet in G minor, Op. 10:
II. Scherzo (Assez vif et bien rythmé)
Ausführender/Ausführende: Hagen Quartett
Länge: 03:43 min
Label: DG

Urheber/Urheberin: Claude Debussy
Sonata No. 1 for Cello and Piano in D Minor:
* III. Finale
Ausführender/Ausführende: Jean-Guihen Queyras & Alexandre Tharaud
Länge: 03:15 min
Label: Harmonia Mundi

Urheber/Urheberin: Claude Debussy
Six épigraphes antiques for Piano Four Hands, L. 131:
* V. Pour l'Égyptienne
Ausführender/Ausführende: Duo Tal & Groethuysen
Länge: 05:24 min
Label: KOCH

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