Christoph Schlingensief

APA/BARBARA GINDL

Hubert Gaisbauer über Christoph Schlingensief

"Das Leben ist schön". Der Publizist Hubert Gaisbauer über den erst fünfzigjährig verstorbenen Künstler, anlässlich dessen 10. Todestages

Vor zehn Jahren - am 21. August 2010 - ist der Film- und Aktionskünstler Christoph Schlingensief - kaum fünfzigjährig - gestorben. Im Jahr 2000 provozierte er Wien - unmittelbar neben der Staatsoper - mit der Container-Aktion "Ausländer raus". Inzwischen ist er fast in Vergessenheit geraten. Doch die gegenwärtige Theater- und Performanceszene hat er so stark wie kaum ein anderer Künstler beeinflusst. Legendär seine "Parsifal"-Inszenierung 2004 - 2007 in Bayreuth.

Kurz vor seinem Tod hat er noch die Idee für ein Festspielhaus in Burkina Faso, Afrika, entwickelt. Dort wirkt nach wie vor sein initiativer Geist - in einer Schule, einer Krankenstation und einer Künstlerwerkstatt.

In Schlingensiefs Tagebüchern und in vielen Interviews bricht manchmal eine wüste und zugleich unverwüstliche, nahezu mystische Frömmigkeit auf, vor allem, wenn er - wie ein neuer Hiob - von Gott Rechenschaft für die Übel in der Welt fordert, nicht zuletzt auch für seine schließlich tödliche Krankheit.

Schlingensief hat nie zwischen Kunst und Leben unterschieden, er war immer auch sein eigenes Werk, stellt der Publizist Hubert Gaisbauer in seinen "Gedanken für den Tag" fest. Schlingensiefs Bekenntnis: "In den tiefsten Tiefen meiner Seele bin ich Moralist, sehr bürgerlich. Umso mehr wundere ich mich immer wieder darüber, wie sehr manche Menschen diesen Ansatz streitig machen wollen - um daraus ihr eigenes Kapital zu schlagen oder um von ihren eigenen Sauereien abzulenken." Verständnislose Zuschauer bei seinen Aufführungen beschimpfte er als "Durchimmunisierte", denen die rettende Erfahrung des Schmerzes fehle. "Wir müssen heraus aus unserem neoliberalen Planquadrat", sagte er, "wir müssen hin zu uns selbst." Aus Krisen gewann Christoph Schlingensief das Gold der Kreation.

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Film: schlingensief. in das schweigen hineinschreien

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