Kreuzung in Sarajevo, 1947

AP/SANDERS

Gesänge über die Liebe im Tod

"Ein Haus für die Müden". Von Dzevad Karahasan.

"Geschichte schreiben die Sieger, Literatur aber schreiben die Leute, die diese Geschichte gelebt haben", sagt der große europäische Schriftsteller und Erzähler Dzevad Karahasan zu seinem 2019 auf Deutsch erschienenen Buch "Ein Haus für die Müden".

Die, die die Geschichte erlebt haben, ihr auch trotzten, - die Alten, die Müden, die Trauernden, die Verwirrten und vor allem die Liebenden holt Karahasan vor den Vorhang. Beginnend 2014 in Sarajevo, über den Einzug des Kommunismus in der bosnischen Provinz Mitte des 20. Jahrhunderts, bis zu den vielen nach 1990 Ausgewanderten umspannen seine fünf Geschichten ein Jahrhundert jugoslawischer Historie mit dem Blick auf die "kleinen Ereignisse, in einem Alltag, der niemals nur schwarz oder rosa ist", so Karahasan.

Der Schriftsteller, Essayist, Dramatiker und Literaturwissenschafter Dzevad Karahasan wurde 1953 in Duvno in Bosnien geboren. Während des Balkankrieges floh er nach Österreich und war Stadtschreiber in Graz. Er lebt und arbeitet heute in Graz und Sarajevo und wurde vielfach ausgezeichnet, u.a 2004 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, 2017 erhielt er den Franz Nabl-Preis der Stadt Graz und kürzlich wurde er mit dem Goethe-Preis 2020 geehrt.

Gestaltung: Ilse Amenitsch

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Dzevad Karahasan, "Ein Haus für die Müden", Suhrkamp, 2019

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