Berichte im Rückblick

Wirtschaftswunder im Dorf

Wolfgang Marschall wuchs in den 1950er Jahren in einem beschaulichen Innviertler Dorf auf. Ein Blick ins Archiv der regionalen Rieder Volkszeitung offenbarte ihm, wie aufregend die Jahre des Wirtschaftswunders gewesen sein müssen. Marschall stieß auf zahlreiche skurrile Inserate und teils absurde Werbeanzeigen. In seinem eben erschienenen Buch "Eine Luftmatratze muss her. Dorfwirtschaftswunder 1950" (Verlag Anton Pustet) baut er anhand von Zeitungsausschnitten eine Ära nach, in der die Pünktlichkeit ins Dorf einzieht, Geld zur wichtigsten Währung wird und eine erschreckend naive Technikgläubigkeit vorherrscht. Abgase machen die Luft schön warm, erfährt man etwa in der Rieder Volkszeitung. Gestaltung: Hanna Ronzheimer


Erinnerung an Großmutter

In "Ella Schapira (1897-1990)" (Böhlau) erzählen Helen Liesl Krag und Peter Menasse die Lebensgeschichte ihrer Großmutter. Diese war nicht nur eine jüdische Kleidermacherin, wie es im Buchtitel heißt, sondern auch eine außergewöhnlich eigenständige Frau. 1887 geboren, war Ella Schapira bereits als Kind auf der Flucht und kam zuerst aus Russland ins österreichische Galizien. Dann als junges Mädchen im Ersten Weltkrieg nach Wien und später auf der Flucht vor den Nazis nach England. Dabei bringt sie es auf vier Sprachen, sechs Familiennamen und ein modernes Leben. Darauf bedacht selbst für sich zu sorgen, erlernt sie den Beruf einer Schneiderin und baut ein erfolgreiches Unternehmen auf. Zuerst in Wien, später in England. Damit wirft sie auch Konventionen ihrer religiösen Erziehung über Bord und wird zum Vorbild ihrer Kinder und Enkelkinder. Gestaltung: Ursula Mürling-Darrer

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